Vorwürfe gegen Grenke: Leasingspezialist reagiert

Geldwäsche- und Täuschungsvorwürfe gegen den Leasingspezialisten Grenke. Nach Wirecard gibt es nun massive Anschuldigungen gegen die nächste deutsche Finanzfirma. Die zieht erste Konsequenzen.

Fraser Perring – der Mann, der bereits 2016 den Wirecard-Betrug aufdeckte -, hat nun eine neue Firma im Visier: den MDax-Konzern Grenke Leasing aus Baden-Baden. Seine Gruppe „Viceroy Research“ wirft dem Unternehmen Betrug, Bilanzmanipulation und Geldwäsche vor.

Die Vorwürfe sind umfangreich: Unter anderem werfen die Kritiker dem Konzern vor, Unternehmen zu überhöhten Werten aufgekauft zu haben. Gründer Wolfgang Grenke habe sich dabei auch persönlich bereichert. In den Bilanzen habe es zudem verdächtig niedrige Abschreibungen gegeben. Auch das Geschäftsmodell per se habe bereits einen umfassenden Betrug und räuberische Geschäftspraktiken ermöglicht.

Aktie bricht massiv ein

Der Vorstand und der Aufsichtsrat von Grenke weisen die Vorwürfe zurück. Dennoch ist die Aktie sofort um mehr als die Häfte eingebrochen. Der Firmengründer reagiert und kündigt an, sein Aufsichtsratsmandat mit sofortiger Wirkung niederzulegen, bis die Vorwürfe ausgeräumt sein. Außerdem will das Unternehmen die Vorwürfe von den unabhängigen Wirtschaftsprüfern von KPMG überprüfen lassen.

Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt kaum sagen. Denn Viceroy hat als Leerverkäufer der Aktie auch ein persönliches Interesse daran, den Kurs fallen zu sehen. Dennoch erwägt laut Bloomberg nun auch die Finanzaufsicht Bafin, die Bilanzierungspraktiken des Unternehmens zu untersuchen.

„Wenn schon die Bafin ermittelt, halten wir nicht für ausgeschlossen, dass an den Vorwürfen etwas dran ist“, so GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin. „Wir hoffen, dass anders als bei Wirecard nun wesentlich gründlicher geprüft wird.“ Der Brancheninsider verfolgt schon seit langem die Geschäftspraktiken des Unternehmens: „Grenke hat unserer Wahrnehmung nach in der Factoring- und Leasingbranche schon seit langer Zeit eine sehr individuelle Geschäftspolitik betrieben.“

Mehr Transparenz durch neue Struktur

Auch Experten wie Analysten der Commerzbank empfehlen der Firma, ihre Struktur zu vereinfachen. Schließlich hat Viceroy auch die mangelnde Transparenz kritisiert, die dadurch entsteht, dass sich um das Kerngeschäft ein undurchsichtiges Geflecht von personell oder finanziell verbundenen Firmen rankt.

Für die gesamte Branche hofft Sarafin, dass die Prüfungen die Vorwürfe aus dem Weg räumen werden: „Sollten die Anschuldigungen wahr sein, wäre das ein weiterer herber Schlag, der dann auch die Finanzierungsbranche trifft. Wir hoffen daher, dass sich durch die Prüfungen der unabhängigen Experten die Vorwürfe in Wohlgefallen auflösen.“

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