Inflation – um jeden Preis?

Aktuell sind die Notenbanken äußerst bemüht, höhere Inflationsraten zu erzielen. Dies wurde kürzlich von dem Chef der US-Notenbank Fed verkündet.

Der Plan sieht vor, Zeiten mit schwacher Preisdynamik mit einer erhöhten Inflation zu folgen. Auch will man keine Gegenmaßnahmen mehr treffen, wenn die Inflation die Marke von zwei Prozent übersteigt. Dieser Wert soll nur noch im längerfristigen Durchschnitt gelten.

Preissteigerungen gehören mitunter zu den größten persönlichen Sorgen der Bürger. Auch in Europa ist dies der Fall: Die steigenden Lebenshaltungskosten sind laut jüngster Eurobarometer-Umfrage im Herbst von größter Relevanz für die Bevölkerung.

Ungeachtet dessen versuchen die Notenbanken bereits seit Jahren, eine Erhöhung der Inflationsraten zu erzielen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Philipp Lane sprach demnach davon, eine mittelfristige Inflationsrate von zwei Prozent erreichen zu wollen.

Als Hauptargument gegen niedrige Inflationsraten nennen die Notenbanker die daraus resultierenden gesunkenen Steuerungsmöglichkeit der Wirtschaft. Da zudem die Zinsen bei null liegen und Strafgebühren für Geldeinlagen bei den Notenbanken fällig werden, kaufen die großen Zentralbanken große Mengen an Wertpapieren auf.

Auch Fed-Chef Powell ist der Meinung, dass eine Inflationssteigerung unbedingt nötig ist, damit man in der Lage ist, auf einen wirtschaftlichen Abschwung entsprechend zu reagieren, Zinsen zu senken und die Beschäftigung zu unterstützen. 

Als weiteres Problem gilt der hohe Verschuldungsgrad von Staaten, Unternehmen als auch Privatbürgern, der noch als Spätfolge der großen Finanzkrise 2008/09 gilt. Da die Verbindlichkeiten aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage nun noch weiter gestiegen sind, steht man nun vor dem Problem, eine Lösung zur Stabilisierung der finanziellen Lage ganzer Volkswirtschaften zu finden. 

Durch die offenen Grenzen und dem hieraus resultierenden gestiegenen Wettbewerb sind die Spielräume für Preis- und Lohnsteigerungen sehr eingeschränkt. Da die Inflationsraten relativ gering sind (2019 in der Eurozone lediglich 1,2%; USA und Großbritannien 1,8%) versuchen die Notenbanken nun die Marke von zwei Prozent anzuvisieren. 

Die Anleger auf den Finanzmärkten sind unterschiedlicher Meinung: Auf der einen Seite herrscht die Erwartung, dass die Inflationsraten weiterhin sinken werden, was anhand der Negativverzinsung vieler Anleihen ersichtlich ist. Auf der anderen Seite befürchten wohl viele Anleger eine Geldentwertung, was man anhand des gestiegenen Goldpreises erkennen kann. 

Aktuell zeigt sich der durch die Notenbanken bestehende Liquiditätsdruck primär auf den Kapital- und weniger auf den Gütermärkten. Gestiegene Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien sind die Folge. Die Lebenshaltungskosten sind hingegen weitestgehend stabil geblieben. 

Doch aufgrund der bestehenden großen Unsicherheit in der Weltlage, die mitunter durch die aktuell herrschende Pandemie und dem Machtkampf um die Vorherrschaft zwischen den USA und China besteht, kann sich die Situation extrem schnell ändern. Große Preissteigerungen wären die Folge. 

„Sollte sich expansiver Inflationsdruck aufbauen, würden wir nicht zögern zu handeln“, äußerte sich Fed-Chef Powell in Bezug auf dieses mögliche Szenario.  

Quelle: https://www.xing-news.com/reader/news/articles/3449516?cce=em5e0cbb4d.%3AD3B3vQ25OXY0qkGmySRFAN&link_position=digest&newsletter_id=66034&toolbar=true&xng_share_origin=email

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