Erholung des deutschen Mittelstands: Investitionen steigen

Viele Mittelständler haben die Pandemie und den darauf gefolgten wirtschaftlichen Einbruch stark zu spüren bekommen. Ein großer Teil der Unternehmen hat sich laut Einschätzung der Sparkasse bereits von der Krise erholt und ist bereits dabei, schon wieder größere Investitionen zu tätigen. Nach Einschätzung der Experten der Sparkasse soll Deutschland vor einer großen Pleitewelle verschont bleiben. 

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV): „Die Pandemie hat die Unternehmen mit voller Wucht getroffen. Aktuell sehen wir aber, dass bereits ein Erholungsprozess eingesetzt hat.“ Schleweis erwartet, dass deutsche Unternehmen mit Umsatzvolumen von 2 bis 50 Millionen Euro, die „das Herzstück des deutschen Mittelstands“ darstellen, vor Insolvenzen weitestgehend verschont bleiben. 

Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen dieser Größenordnung wurde in der aktuellen Verfassung des „S-Mittelstands-Fitnessindex“ durch den DSGV analysiert, wobei ersichtlich ist, dass die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft zwar unerwartet, jedoch nicht unvorbereitet getroffen hat. 

Aufgrund einer hohen Eigenkapitalquote von durchschnittlich 39%, können die negativen Effekte der Krise geschmälert werden. Schleweis: „Dank guter Kapitalpolster können die meisten Unternehmen die Krise weitgehend abfedern. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren vorbildlich gewirtschaftet, Gewinne wurden überwiegend im Unternehmen gelassen.“

Die Sparkassen verzeichneten in der Halbjahresbilanz ihrer Institute sogar einen Anstieg von Investitionen. Es wurden neue Firmenkredite in Höhe von 54 Milliarden Euro vergeben, wovon laut DSGV 39 Milliarden Euro für Investitionen verwendet werden. Demzufolge hat sich das Investitionskreditvolumen im Vergleich zum Vorjahr sogar um knapp 25% gesteigert.

„Viele Mittelständler tätigen gerade jetzt wichtige Investitionen zur Neuaufstellung ihrer Unternehmen nach der Krise“, sagt Schleweis. Auch stellen Teile der Kredite für die Unternehmen Sicherheitspolster dar, da sie für die Aufrechterhaltung der Liquidität sorgen können. 

Die wirtschaftliche Lage unterscheidet sich zwischen den einzelnen Branchen teilweise stark. Besonders betroffen sind das Gastgewerbe, Tourismus, Kreativwirtschaft, Messe- und Eventgeschäft, Maschinenbau und Autohersteller. Die Branchen Bau, Gesundheits- und Sozialwesen als auch E-Commerce laufen hingegen äußerst gut. Insgesamt schätzt der DSGV mit einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 5,7% und einem Gewinnrückgang von 44%. Die Umsatzrendite der Unternehmen lag im Schnitt bei 3,5% – trotz Krise. Laut Schleweis müssen nur 5% der Unternehmen mit Verlusten rechnen. Auch drei Viertel der Firmenkundenberater der 376 deutschen Sparkassen sehen die Lage entspannt und rechnen damit, dass lediglich zwei Prozent der mittelständischen Kunden in den kommenden 6 Monaten Insolvenz anmelden müssen. In „normalen Jahren“ liegt die Quote im Schnitt bei 1,6%.

Abschließend ist es allerdings wichtig hervorzuheben, dass die Lageeinschätzung der Sparkasse nicht auf Unternehmen anderer Größenordnung übertragbar ist. „Viele kleine Unternehmen und auch Soloselbstständige verfügen nicht über ausreichend Reserven, um eine solche Krise über mehrere Monate allein durchzustehen.“ Besonders betroffen sind daher Restaurants, Reisebüros, Künstler und Schausteller (< 2 Mio. EUR Umsatz), sowie Großunternehmen (> 50 Mio. EUR Umsatz), die zunehmend auf Milliardenkredite angewiesen sind, um ihre Liquidität aufrecht zu erhalten.

Fabian Sarafin, Niederlassungsleiter der GFL Ratingen: „Dies ist eine sehr interessante Sichtweise, die sich nicht mit den Aussagen der Versicherer deckt. Aktuell sind aber auch unsere Kunden wieder deutlich zuversichtlicher gestimmt. Man darf gespannt sein welche Prognose am Ende eintritt. 

Spannend ist auch die Aussage zu den betroffenen Umsatzvolumina der Firmen. Unternehmen ab 2 Mio. EUR sind tendenziell eher kreditversichert als ganz kleine KMU, wie z.B. Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants etc. Je länger eine Firma am Markt ist, desto größer sind auch die Chancen, Reserven für die Zukunft aufzubauen, von denen man profitieren kann.

Wer sicherlich trotz der genannten Umsatzangaben von den Auswirkungen betroffen ist, sind Start-Ups und junge Unternehmen, die noch keine langjährigen Gewinne ausweisen können.“  

Quelle: https://amp-welt-de.cdn.ampproject.org/c/s/amp.welt.de/wirtschaft/mittelstand/article215823234/Sparkassen-Mittelstand-hat-Corona-Tief-ueberwunden.html

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