Aussetzung der Insolvenzantragspflicht: Angst vor Zombieunternehmen in Deutschland

Im Zuge der Corona-Pandemie setzte die Bundesregierung als Teil eines großen Maßnahmenpaketes die Insolvenzantragspflicht zunächst bis Herbst aus. Nun wurde diese sogar bis Ende des Jahres verlängert.

Daher mehren sich momentan die Stimmen, die dieser Maßnahme kritisch gegenüber stehen: So rechnete das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zusammen mit dem Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) laut dem Focus Online aus, dass bis zum Ende des Jahres 4300 so genannte Zombieunternehmen den Markt verzerren könnten. Als Zombie-Unternehmen werde jene Unternehmen definiert, die nicht überlebensfähig sind, also einen Verlust schreiben, verschuldet sind und momentan nur durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht „überleben“.

„Was im Frühjahr sinnvoll war, könnte jetzt zum Problem werden“, orakelt das Institut. 

Festgestellt wird dennoch, dass die Maßnahme zunächst gewirkt habe. Dies lässt sich an den nackten Zahlen nachvollziehen: So waren die Pleiten im Mai dieses Jahr ca. 10 % weniger als im Jahr zuvor. Auch die Hochrechnung der Insolvenzzahlen bis zum Ende des Jahres deutet auf einen Tiefstand der Insolvenzen seit der Jahrtausendwende hin. 

Das Institut konstatiert allerdings, dass die negativen Auswirkungen des Corona-Lockdowns lediglich herausgezögert würden und die Pleitewelle somit zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen wird. Auch wird davon ausgegangen, dass die Firmen, die von der Aussetzung der Antragspflicht profitieren, Ihren Wettbewerbern schaden sowie ein Risiko für die geldgebenden Banken darstellen, welche momentan die Performance ihrer Kunden schlecht einschätzen können. 

Fraglich bleibt außerdem, wie lange die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht weiter bestehen wird. So geht Klaus-Heiner Röhl davon aus, dass diese auch im Jahre 2021 weiter verlängert wird. Dies würde laut den Experten der Creditreform einen weiteren Anstieg von Zombie-Unternehmen um 700.000 bis 800.000 erzeugen. Ex-BaFin-Chef Felix Hufeld warnt: „Das Schlimmste haben wir noch gar nicht gesehen.“

Doch es gibt auch Gegenstimmen – so gibt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung der Süddeutschen Zeitung gegenüber zu bedenken, dass die Gesundung der deutschen Wirtschaft bis weit in das Jahr 2022 brauchen wird und dass Kritiker der Hilfsmaßnahmen oftmals zu optimistische Erwartungen an die Erholung hätten. Außerdem weist er auf die Gefahr hin, dass bei Aussetzung der staatlichen Maßnahmen nicht nur die Zombie-Unternehmen, sondern auch kleine und junge Unternehmen aufgrund mangelnder Liquidität sowie Zugang zu den Kapitalmärkten verschwinden würden. Doch gerade diese Unternehmen seien wichtig, um den geforderten Strukturwandel der deutschen Wirtschaft voranzutreiben. Diesen Strukturwandel in Zeiten einer Pandemie zu erzwingen, hält Fratzscher nicht für den richtigen Weg.

GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin kommentiert: Sollte es so kommen, dass die Anzahl der Zombie-Unternehmen weiter wächst und sich eine nicht kalkulierbare Kettenreaktion einstellt, wäre dies natürlich sehr bitter. Dennoch sind die absoluten Zahlen sowie deren Tiefpunkt noch nicht unbedingt besorgniserregend. Spannender bleibt eher, wie sich Deutschland insgesamt aus der Krise manövriert und dies gilt auch für alle anderen wichtigen Exportländer für deutsche Unternehmen.

(Quelle: https://www.xing-news.com/reader/news/articles/3461007?cce=em5e0cbb4d.%3A2_ycBuyo6JOM6aVqat1OAB&link_position=digest&newsletter_id=66269&toolbar=true&xng_share_origin=email ;zuletzt aufgerufen am 08.09.2020, 10:17 Uhr) 

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