Der Schuldenboom

Die Unternehmensschulden wachsen weltweit rasant. Laut einer Studie des amerikanischen Vermögensverwalters Janus Henderson könnte die Verschuldung der weltgrößten Unternehmen dieses Jahr um bis zu 1 Billion Dollar steigen. Der am höchsten verschuldete Konzern kommt dabei aus Deutschland.

Allein 3,9 Billionen – und damit fast die Hälfte der weltweiten 8,3 Billionen Dollar Unternehmensschulden – entfallen auf die USA. Doch bereits auf Platz zwei landet Deutschland mit einem Schuldenstand von 762 Milliarden Dollar. Die kapitalintensive Autoindustrie vereint hier einen Großteil des Schuldenbergs auf sich. So ist laut einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung der Autokonzern Volkswagen mit Verbindlichkeiten von 192 Milliarden Dollar das am höchsten verschuldete Unternehmen der Welt.

VW ist dabei nicht der einzige deutsche Autobauer in den Top10: Daimler schafft es mit 151 Milliarden Dollar auf den dritten Platz, BMW mit 114 Milliarden Dollar auf den achten. Dabei ist nicht nur die Corona-Krise an den wachsenden Schuldenbergen Schuld. Bereits 2019 ist der Verschuldungsgrad – das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital – auf den Rekordwert von 59 Prozent geklettert. Auch in absoluten Zahlen sind die weltweiten Unternehmensschulden mit 8,3 Billionen Dollar so hoch wie nie.

Das beunruhigende: Die Verschuldung ist in den vergangenen fünf Jahren sehr viel stärker gewachsen als die Gewinne. So haben die 900 größten Unternehmen seit 2014 ihren Betriebsgewinn um 11 Prozent auf 2,7 Billionen Dollar verbessert, ihre Nettoverschuldung ist hingegen um 37 Prozent gestiegen. Im Zuge der Corona-Krise dürfte sich dieses Verhältnis noch einmal deutlich verschlechtert haben. So erwarten Experten bereits die nächste Bankenkrise, da viele Unternehmen – vermehrt nun auch Mittelständler – nicht in der Lage sein werden, ihre Notkredite zurückzuzahlen.

Aus Sicht der GFL ist die hohe Verschuldung ein großer Wettbewerbsnachteil: „Aus unserer Erfahrung zahlen Unternehmen, die negative Ergebnisse haben oder sich etwa in der Restrukturierung befinden deutlich höhere Zinsen und Gebühren als man weitläufig annimmt“, so GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin. „So kennen wir im Mittelstand Zinsen zwischen 7 und 11 Prozent für schwach bewertete Unternehmen. Das halte ich auch für risikogerecht, aber das bedeutet natürlich erhöhte Kosten im Vergleich zu besser positionierten Wettbewerbern.“

„Die Frage stellt sich aus meiner Sicht eher: Welches Geschäftsmodell verfolgt das Unternehmen, wie bereit und in der Lage ist es, zukunftsfähige Veränderungen durchzuführen und welche aktive Unterstützung erfährt es von anderen wie seinen Gesellschaftern, den Banken oder dem Staat. Der Kampf der deutschen Firmen ist daher oft auch ein Kampf der Unterstützung durch die Politik.“

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