Der japanische Konjunkturabschwung

Auch die Wirtschaft Japans hat derzeit zu kämpfen: Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal des Jahres um ganze 27,8% zurückgegangen.

Dies wird in den neusten Wirtschaftsdaten ersichtlich, die die japanische Regierung Anfang der Woche in Tokio veröffentlicht hat. Einen ähnlich hohen Rückgang musste die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bislang noch nie durchmachen. Dies ist eine Folge der Corona-Maßnahmen, die der japanische Premierminister Shinzo Abe nach vorzeitiger Zögerung erklärt hatte, woraufhin im April und Mai der Lockdown folgte. Die lockere Geldpolitik, die das Land von 2013-2019 geführt hatte, trägt nun ihren Teil zu der Misere bei: Zwar war das Programm zur Wirtschaftsförderung mit sachtem Wachstum angedacht, jedoch ist das Modell augenscheinlich nicht sonderlich krisensicher. Auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China hatte einen negativen Effekt auf die japanische Wirtschaft und führte zu einem weiteren Konjunkturabschwung. Durch die Erhöhung der Konsumsteuer wurde zudem die Konsumlaune der Bevölkerung getrübt. Der erhoffte Aufschwung durch die Olympischen Spiele, die in diesem Jahr ursprünglich in Japan stattfinden sollten, hat aufgrund der Pandemie nicht stattgefunden und den Staat weitere Milliarden gekostet. Auch Unterstützungsmaßnahmen in Form von Reisesubventionen für die Tourismus-Branche sind fehlgeschlagen, da die Corona-Zahlen wieder einen starken Anstieg verzeichneten, gerade als das Programm anlief.

Mittlerweile sind Läden und Lokale wiedereröffnet, allerdings verlaufen die Geschäfte aufgrund neuer Viruswarnungen und Abstandsregelungen nur schleppend. Experten rechnen damit, dass es Jahre dauern wird, bis Japans Wirtschaft wieder die Stärke und Stabilität erreicht, die es vor der Pandemie hatte. 

Die Meinung des GFL-Teams:

Wie in quasi allen Ländern ist Japan von der Pandemie und darauffolgendem Wirtschaftsabschwung betroffen. Allerdings ist eine nahezu gleichzeitige Konsumsteuererhöhung alles andere als förderlich, da die Bevölkerung, die ohnehin ihren Konsum aufgrund von Unsicherheiten und Arbeitslosigkeit zurückgefahren hat, noch weiter in ihrer Konsumfreudigkeit eingeschränkt wird. Dies kann besonders in der aktuellen Situation gravierende wirtschaftliche Schäden hervorrufen und dem Land einen dauerhaften Wettbewerbsnachteil bescheren. Stattdessen sollte besser überlegt werden, wie man den Konsum und damit die Wirtschaft mithilfe von temporären Unterstützungsmaßnahmen wieder ankurbeln könnte, um möglichst bald wieder aus der Misere zu kommen.

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