Corona-Hotspot: Schwere Rezession in Südafrika erwartet

Mit mehr als einer halben Millionen Infizierten und 8.153 Toten (Stand 2. August) ist Südafrika das von der Corona-Pandemie am schwersten betroffene afrikanische Land. Nach den USA, Brasilien, Indien und Russland verzeichnet das Land die meisten Covid-19-Fälle weltweit – und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein. Die Credendo Group hat untersucht, was das für die Wirtschaft bedeutet.

Etwa die Hälfte aller nachgewiesenen Infektionen in Afrika entfallen laut Zahlen des Gesundheitsministeriums auf Südafrika. Zwar wurde Ende März ein landesweiter Lockdown eingeführt, viele Beschränkungen sind aber wieder aufgehoben, weil die schon zuvor gebeutelte Wirtschaft massiv gelitten hat.

Als die Pandemie das Land getroffen hat, litt die Wirtschaft noch unter einer Elektrizitätskrise, einer schwachen Landwirtschaft aufgrund mehrerer Dürren und dem Niedergang von staatlichen Unternehmen, wie der Restrukturierung des südafrikanischen Stromversorgungsunternehmens Eskom, die die öffentlichen Finanzen stark belasteten.

Rund 60 Prozent des BIP setzte sich 2019 laut dem Credendo-Bericht aus Konsumausgaben zusammen. Doch mit dem Lockdown war damit Schluss. Auch der Südafrikanische Rand geriet unter Druck und verlor gegenüber dem US-Dollar um rund 20 Prozent. Der Export litt unter den gestörten Lieferketten und dem Abfall der Warenpreise. Rund drei Millionen Arbeitsplätze wurden gestrichen, Branchen wie der Tourismus kamen vollkommen zum Erliegen.

Bis Ende des Jahres erwartet Credendo, dass die südafrikanische Wirtschaft um 7,1 Prozent einbricht. Die Weltbank erwartet laut ihrer Juni-Prognose zwar, dass das BIP-Wachstum 2021 wieder um 2,9 Prozent anzieht, aufgrund des hohen Infektionsgeschehens ist es aber wahrscheinlich, dass diese Prognosen in den nächsten Monaten wieder revidiert werden.

So hat das Land am Kap der guten Hoffnung erstmals in seiner Geschichte um ein Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds gebeten. 4,3 Milliarden US-Dollar sind vergangene Woche nach Südafrika geflossen. Experten gehen davon aus, dass es nicht bei der einmaligen Geldspritze bleibt. Südafrika sei in den Club der Staaten abgerutscht, die ohne IWF-Hilfe nicht mehr lebensfähig sind, schreibt etwa die Frankfurter Rundschau. Allerdings könnten die Hilfen – an die auch Auflagen gebunden sind – dringend nötige Reformen verhindern wie die Reduzierung der Zahl der staatlichen Beschäftigten, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes oder die Öffnung des Landes für hochqualifizierte Arbeitskräfte.

Den kompletten Credendo-Bericht finden Sie hier zum Nachlesen.

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