Namibia: Länderrisiko nochmals verschlechtert

Die wahrscheinlich vierte Rezession in Folge. Ein Schuldenberg, der nicht mehr tragbar ist. Dürren und Wasserknappheit. Namibias Wirtschaft ist – nicht nur durch die Corona-Krise – schwer gebeutelt. Der Kreditversicherer Credendo reagiert daher nun und stuft das langfristige politische Risiko von 5/7 auf 6/7 ab.

Es ist nicht die erste Herabstufung, die die Credendo Group bei dem afrikanischen Land in den letzten Jahren vornehmen musste. Bereits 2015 und 2019 ist das langfristige Risiko gestiegen. Während Namibia von 2010 bis 2015 noch ein Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent vorweisen konnte, traf der Rückgang der internationalen Rohstoffpreise das Land danach hart: Abhängig vom Diamanten- und Uranexport, schrumpften die Exporterlöse.

2019 schloss dann noch eine wichtige Diamantenmine und eine schwere Dürre beeinträchtigte die Agrarwirtschaft. Zudem leidet die namibische Bevölkerung unter einer extremen Arbeitslosigkeit von 33 Prozent der Erwerbsbevölkerung. Und obwohl es große Fortschritte bei der Armutsbekämpfung kämpft, zählt Namibia dennoch zu den Ländern mit der höchsten Ungleichheit.

Nun rechnet der Kreditversicherer damit, dass Covid 19 das Land in die vierte Rezession seit 2016 stürzen wird. Credendo erwartet dieses Jahr ein Minus von 4,8 Prozent.

Dadurch werden sich die öffentliche Schuldenquote und die Auslandsverschuldung weiter verschärfen, die Schuldendienstverpflichtungen gegenüber dem Ausland dürften soweit ansteigen, dass sie nicht länger tragfähig sind. Von 2010 bis 2019 ist das Verhältnis der Auslandsverschuldung zum BIP von 31 Prozent auf 63 Prozent gestiegen. Für die Tilgung der Auslandsverbindlichkeiten muss das Land seit 2015 mehr als 20 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen aufwenden. 2019 ist dieser Anteil sogar auf 39 Prozent gestiegen. Die Schuldendienstkosten werden nach Einschätzung von Credendo dieses und nächstes Jahr noch weiter ansteigen und Namibia damit in die schlimmste finanzielle Lage seit der Unabhängigkeit stürzen.

Zudem machen Dürren der Bevölkerung zu schaffen: Schon 2019 musste der Präsident aufgrund einer extremen Dürre den Notstand ausrufen. Und auch aktuell sind rund eine halbe Million Namibier von Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit bedroht.

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