Konjunktur: Zwischen Hoffen und Bangen

Ist die Rezession vorbei? Einige Frühindikatoren weisen darauf hin und auch viele Volkswirte zeigen sich optimistisch. Doch zu frühe Euphorie dürfte nicht angebracht sein – überholen sich die Prognosen doch aktuell selbst.

Bei Katharina Utermöhl von der Allianz-Gruppe klingen die Aussichten sehr vielversprechend: „Die Rezession ist vorbei“, wird sie von N-TV zitiert. Der aktuelle Einkaufsmanager- und der Ifo-Index scheinen ihr recht zu geben: Sie weisen auf einen V-förmigen Konjunkturverlauf hin. Heißt: Nach dem Absturz folgt eine ebenso rasante Erholung. Der Ifo-Index hat sich jüngst sogar das dritte Mal in Folge verbessert.

Der Blick auf Juni und Juli stimmt ebenfalls optimistisch, denn die Monate sind besser verlaufen als gedacht: Der Export hat wieder etwas angezogen, die Ausfälle im China-Geschäft seien nicht so dramatisch wie befürchtet. Auch der Arbeitsmarkt zeigt sich überraschend stabil, wie Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg N-TV berichtet: Im Juli werde die Zahl der Arbeitslosen saisonal bereinigt nur geringfügig ansteigen, um etwa 50.000.

„Hoffnung schlägt Unsicherheit“, titelt die Süddeutsche Zeitung gerade treffend. Doch das Lager der Pessimisten ist ebenso groß wie das der Optimisten. Viele Ökonomen befürchten im Herbst eine Insolvenzwelle – was am Arbeitsmarkt sicherlich nicht spurlos vorübergehen wird. In der Industrie hat es im Juli wieder Ankündigungen von Stellenabbau gegeben.

Vorsicht vor Konjunkturprognosen

Auch der Chef der Wirtschaftsweisen Lars Feld warnt vor zu viel Euphorie. Stark zunehmende Neuinfektionen könnten sie Erholung durch neue Lockdowns bremsen, warnt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Schon jetzt sind schließlich wieder härtere Maßnahmen in der Schweiz, Österreich oder Frankreich zu beobachten. Und auch die besorgniserregende Entwicklung in den USA könne auf das Exportgeschehen durchschlagen. „Ich rate deshalb weiter zur Vorsicht bei Konjunkturprognosen“, so sein Tipp.

Eine Sicht, die GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin teilt: „Die Prognosen überholen sich momentan selbst. Sie können bei allem Zahlenmaterial in solchen besonderen Zeiten kaum etwas zuverlässig vorhersehen, da sich die Parameter zu schnell ändern.“ Der Finanzierungsexperte warnt deshalb davor, sich von solchen Voraussagen zu sehr beeinflussen zu lassen. „Wünschenswert wäre, dass die wesentlichen Stabilitätspartner wie Staat, Banken, Finanzierungsgesellschaften und auch Kreditversicherer mit ruhiger Hand genau die Lage beurteilen, aber nicht zu schnell agieren.“

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