Corona-Krise schlimmer als erwartet – Bankensektor gefährdet

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden wohl schlimmer als erwartet. Laut des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ist das V-Szenario, auf das bisher noch viele gehofft hatten, mittlerweile wenig realistisch.

„Die Krise ist stärker und wird langwieriger sein als erwartet“, zitiert die Zeitung „Die Welt“ den DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Dieser beruft sich in seiner Einschätzung auch auf eine aktuelle Umfrage des DIHK. Demnach erwarten dieses Jahr 83 Prozent der deutschen Unternehmen einen Umsatzrückgang. Im April waren es noch 79 Prozent. An eine Rückkehr zur Normalität noch in diesem Jahr glaubt kaum ein Unternehmer (7 Prozent). Rund die Hälfte rechnet im kommenden Jahr mit einem Aufschwung, 43 Prozent sogar erst 2022.

Die schwächere Nachfrage nach Produkten und die Reisebeschränkungen machen den Firmen immer noch zu schaffen. Die Folgen sind gravierend: 43 Prozent der Unternehmer gaben in der Umfrage an, dass sie Stellen streichen werden.

Bankenkrise befürchtet

Doch nicht nur in der freien Wirtschaft ist die Lage wohl schlimmer als bisher befürchtet, auch der Bankensektor ist gefährdet. So warnen Wirtschaftsforscher des Leibniz-Instituts nun auch noch vor einer Bankenkrise. Tausende Unternehmen werden ihre Kredite laut einer Studie des Instituts aus Halle wohl nicht zurückzahlen können. Im besten Fall liege die Ausfallsumme bei 130 Milliarden Euro – im pessimistischsten Szenario bei 630 Milliarden.

Betroffen sind aber selbst im optimistischsten Szenario sechs Prozent der Banken – und damit dutzende deutsche Geldhäuser. Vor allem die Volksbanken und Sparkassen halten die Forscher für gefährdet, weil sie Geld vorrangig an KMU verleihen, die nun besonders unter der Krise leiden. Hält die Wirtschaftsflaute besonders lange an, könnten bis zu 28 Prozent der Banken in Not geraten. „Selbst wenn es für die deutsche Wirtschaft sehr gut läuft, halten wir eine neue Bankenkrise für wahrscheinlich“, zitiert der Focus den IWH-Präsident Reint Gropp.

Zahl der Insolvenzen gering halten

Wie gefährdet Wirtschaft und Bankensektor sind, hängt nach Einschätzung von GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin entscheidend davon ab, wie viele Unternehmen letztendlich tatsächlich in die Insolvenz gehen. „Ich denke, die Wirtschaft kann die Krise auffangen, wenn sie ausreichend Luft und Zeit bekommt“, so der Liquiditätsexperte. „Daher sollten selbst die viel kritisierten Zombiefirmen nicht alle kurzfristig vors Insolvenzgericht ziehen. Denn dann würde ein Dominoeffekt eintreten, der Banken und Kreditversicherer betrifft, und dann wohl kaum noch aufzuhalten ist.“

Natürlich habe das auch erhebliche Risiken, was etwa die Kosten und die Geldstabilität angeht. Doch Sarafin plädiert dafür, langfristig zu denken: „Wenn wir unsere bestehenden Standbeine wie etwa die Automobilbranche nicht wieder auf Kurs bringen, dann werden wir alle langfristig die Auswirkungen spüren. Der Staat muss alles dafür tun, eine Pleitewelle zu verhindern. Denn das schwächt unsere Banken und Kreditversicherer, die dann wiederum immer restriktiver in der Unterstützung der Firmen werden – und die Negativspirale verselbstständigt sich.“

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