Corona: So reagieren Kreditversicherer weltweit auf die Krise

In Krisenzeiten reagieren Kreditversicherer normalerweise mit einer sinkenden Limitbereitschaft. In Deutschland verhindert das während der Corona-Krise der Schutzschirm der Bundesregierung. Zudem bieten die meisten Versicherer einige Erleichterungen für Ihre Kunden an. Doch wie sieht es aktuell in anderen Ländern aus? Darüber gibt eine Umfrage über unser internationales Netzwerk CREDEA Auskunft. Kreditversicherungsmakler aus zahlreichen Ländern beschreiben hierin die aktuelle Lage. 

Was die Limitbereitschaft angeht, sieht die Lage in den meisten Ländern ähnlich aus: Die Kreditversicherer reduzieren Deckungen und streichen Limite für Kunden mit schlechten Bonitäten oder ganze Branchen. 

So gibt es etwa in Großbritannien eine Art rote Liste, auf der Branchen stehen, für die keine Deckungen mehr verfügbar sind, wie die Reisebranche, Hotels, Bau, Einzelhandel, Gast- und Freizeitgewerbe, die Luftfahrt und jeder andere Kunde, der besonders stark von der Krise betroffen ist. Hier hatten einige Versicherer die Limite aber bereits schon im Hinblick auf den Brexit reduziert, vor allem in wirtschaftlich angespannten Branchen wie dem Einzelhandel, dem Bau oder der Stahlbranche.

Wie strickt die Kreditversicherer vorgehen, variiert jedoch erheblich – nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Versicherer zu Versicherer. In der Schweiz und in Tschechien hat ein großer Versicherer etwa die Limite für alle Käufer mit einem unterdurchschnittlichen Rating sowie für unbekannte Bonitäten komplett gestrichen. 

Individuelle Handhabung

Andere Versicherer reagieren individueller – hier werden die Kunden gefragt, welche ihrer Deckungen sie nicht mehr oder wenig benötigen. Diese werden gestrichen oder reduziert. Auch in Belgien oder Polen ist das der Fall. In Belgien erwarten die Makler daher nur moderate Kürzungen. In Australien hat ein bedeutender Versicherer innerhalb einer Woche nach dem Lockdown tausende Deckungen aufgehoben. Erfreulicherweise konnte man mit diesem Versicherer aber wieder gute Lösungen realisieren. 

Schutz davor bieten Versicherungen mit unkündbaren Limiten. In Spanien sind diese gang und gebe – hier akzeptiert der spanische CREDEA-Makler keine Verträge mit Limiten, die während der Laufzeit gestrichen werden können.  Auch in Kanada sind non-cancellable Limits verfügbar. Diese Versicherer nehmen aktuell aber kaum neue Kunden an, wie das kanadische CREDEA-Mitglied berichtet. Auch hier reduzieren die großen Versicherer die Limite. Nur die Guarantee Company of North America halt ihre Deckungen großteils aufrecht und reduziert lediglich bei hohen Risiken. In den Lücken springt der von der Regierung gestützte Versicherer Export Development Canada ein und versichert alle Neukunden. 

Auch in Polen springt ein vom Staat gestützter Versicherer ein – bei Lücken von Exportdeckungen in die EU und die wichtigsten OECD-Länder. Zwei Modelle (KUKE GAP EX & KUKE GAP EX+) stocken auf, wenn die aktuellen Linien für kreditversicherte Unternehmen nicht mehr reichen oder wenn Limite für ausländische Neukunden verweigert wurden. 

Informationen benötigt

Um pauschale Reduzierungen zu vermeiden, wird etwa in den USA versucht, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, um den Versicherern mehr Einblick zu geben. Neben den Zahlen für das erste Quartal und anderen Zwischenbilanzen werden den Unternehmern Fragen gestellt wie: Mit welcher Kapazität läuft der Betrieb gerade? Welche Auslastung erwarten Sie in den nächsten 30, 60, 90 Tagen? Wurden Mitarbeiter entlassen? Auch in den Niederlande, Großbritannien legen die Versicherer sehr viel Wert auf engmaschige Up-to-date-Finanzberichte. In Russland will man noch die Quartalszahlen für Q2 abwarten, die Ende Juli verfügbar sind – bis dahin werden die Limite erstmal so beibehalten. 

Teilweise werden Deckungen auch ohne vorherige Mitteilung aufgehoben. So hat in Österreich ein großer Versicherer die Makler informiert, dass er ohne vorherige Warnung bestimmte Limite seiner Kunden reduzieren wird. Bei wichtigen Limiten kann nachgeschaut werden, welche Änderungen es gab, aufgrund der hohen Arbeitsbelastung sei das aber nicht bei allen Limiten möglich. 

Strengere Schadensrichtlinien oder höhere Prämien

In China versuchen Kreditversicherer die Schadensrichtlinien strenger zu gestalten, um Ansprüche zu reduzieren. Hier wurden viele Branchen komplett als nicht versicherbar eingestuft. In andern Ländern wie Ungarn oder Thailand werden bei der Erneuerung von Verträgen die Prämien stark angehoben. Auch in Australien gehen die Prämien um mindestens zehn Prozent nach oben. 

Viele Versicherer stehen ihren Kunden aber auch miumfassenden Erleichterungen zur Seite. In Belgien gewähren sie zusätzliche Zeit, um Prämien zu zahlen oder eine verlängerte Frist für die Benachrichtigung über überfällige Zahlungen (NOA). Auch in Singapur und Australien wurde die NOA um bis zu 60 Tage verlängert. 

Umfassende Schutzschirme des Staates, wie in Deutschland einer für kreditversicherte Unternehmen geschaffen wurde, sucht man in vielen anderen Ländern vergeblich. Aktuell gibt es sie ansonsten noch in Frankreich und Belgien. In den Niederlande, der Schweiz, Österreich, Tschechien und Großbritannien sind die Versicherer im Gespräch mit der Regierung. In Canada wurde der staatliche Versicherer Export Development Canada (EDC) von der Regierung angewiesen, neue Geschäfte zu akzeptieren und alle Schäden unverzüglich zu übernehmen. 

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