Thyssenkrupp wird zerschlagen

Der angeschlagene Industriekonzern Thyssenkrupp soll in seine Einzelteile zerlegt werden. Noch ist offen, wie genau das aussehen wird: Bei einem Aktionärstreffen hatte Konzernchefin Martina Merz angekündigt, dass es „keine Denkverbote“ mehr gebe. Eine Fortsetzung in Eigenregie sei ebenso möglich, wie eine Fusion, eine Übernahme oder die Abgabe der Mehrheit.

Kern der Zerlegung ist eine Spaltung in zwei Teile: eine Einheit mit wirtschaftlichen Erfolgsaussichten, die der Konzern alleine oder mit Partnern weiterführen will, und eine, die abgestoßen werden soll. In den zweiten Teil, wandern Anlagenbau, der Bereich Federn und Stabilisatoren, Grobblech, Zugtechnik und Batterietechnik. In die „good bank“ kommen Werkstoffhandel mit dem Stahlgeschäft, Industriekomponenten und Autoteile. Für die Automobiltechnik will Merz nach Partnern suchen.

Ebenso für das Stahlgeschäft – das Herzstück des Konzerns. Das sollte eigentlich vor rund zwei Jahren schon verkauft werden. Der Deal mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel scheiterte jedoch am Veto der Kommissionbehörden. Nun sollen für die Stahlsparte alle Möglichkeiten offen gehalten werden: Eine Komplett-Übernahme sei genauso möglich wie eine Fusion. Mit möglichen Partnern sei man bereits intensiv im Gespräch, so Merz. Kommt es zu keinem Verkauf, soll die Sparte im Unternehmen verbleiben.

Auch für Marine Systems sucht Thyssenkrupp Partner. „Um die Arbeitsplätze und Werftstandorte zu sichern, ist die Schaffung eines starken Marinekonzerns sinnvoll. Dafür gibt es nationale und europäische Optionen“, zitiert das Finance-Magazin den Ressortverantwortlichen für Marine Systems Oliver Burkhard.

Dass die Zerschlagung auch Konsequenzen über den Konzern hinaus hat, gibt GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin zu bedenken: „Nun wird es spannend für die Lieferanten zu sehen, ob diese Teil des neuen Thyssenkonzerns bleiben oder ihre Kundenverbindung in neue Hände übergeht. Denn dies wird auch die Kreditversicherer sehr beschäftigen mit nicht absehbaren Auswirkungen auf mögliche Limitvergaben.“

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