Corona: Preisverfall trifft ölexportierende Länder hart

Obwohl die Corona-Krise alle Länder der Welt hart trifft, leidet eine Region besonders: Die ölexportierende MENA-Region – also der Nahe Osten und Nordafrika – ächzt unter dem niedrigen Ölpreis. Obwohl der sich Ende letzter Woche wieder leicht erholt hat, erwartet der Kreditversicherer Coface über lange Zeit ein niedriges Niveau. In Oman und Bahrain steigen die Staatsschulden in Folge bedenklich, während in Algerien die Reserven rapide fallen.

Laut einer aktuellen Coface-Studie ist Ägypten das einzige Land der Region, in der keine Rezession erwartet wird. In Libyen wird der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung mit -58,7 Prozent des BIP erwartet, gefolgt vom Libanon mit -12 Prozent.

Dabei waren Anfang des Jahres die Aussichten für die Region noch ganz gut: Coface hatte ein andauerndes, wenn auch gedämpftes, Wachstum erwartet. Der Ölpreis sollte knapp unter der 60-Dollar-Grenze bleiben. Jetzt leidet die gesamte Region unter einem signifikanten Liefer- und Nachfrageschock.

Neben der Ölindustrie sind natürlich auch andere Sektoren betroffen: Bahrain, Ägypten, Katar, Jordanien, Libanon, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate leiden unter dem Rückgang im Tourismus und dem Gastgewerbe. Auch der Handel ist in der ganzen Region betroffen und die offeneren Staaten wie Ägypten, Marokko und Tunesien verzeichnen zudem einen Exportrückgang. Auf der Lieferantenseite leidet die Region – wie so viele andere – natürlich auch unter den unterbrochenen Lieferketten.

Keine Puffer, um die Krise abzumildern

Dramatisch werden die Effekte in Ländern, in denen der Staat nicht die finanziellen Mittel hat, um große Hilfspakete für die Wirtschaft aufzustellen. Auch Länder, die viele Flüchtlinge aufnehmen mussten wie Iran, Jordanien und der Libanon bringt die Krise zusätzliche Herausforderungen. Finanzpolitischen Raum haben hingegen Kuwait, Saudi Arabien, die Arabischen Emirate und Katar.

Was die Nachfrage nach Öl angeht, weisen erste Prognosen auf einen Einbruch um 33 Prozent hin. Mitte Mai ist der Ölpreis erstmals seit März wieder über die 30-Dollar-Marke geklettert. Auslöser sind Angebotskürzungen. So hat die Opec+ Anfang Mai die Produktion gekürzt. Zudem mussten einige Lieferanten, wie die US-amerikanischen Schieferölproduzenten, ihre Produktion aus wirtschaftlichen Gründen zurückfahren.

Das Risiko für den Rohölmarkt bestehe aber fort, warnt die Frankfurter Zeitung. Vor allem die erneut steigenden Spannungen zwischen den USA und China könnten den Markt belasten. So rechnen die Finanzmärkte dieses Jahr mit einem Durchschnittspreis von 30,28 US-Dollar und auch 2021 nur mit 33 US-Dollar. Das ist gerade einmal die Hälfte von dem, was bisher für 2020 prognostiziert wurde.

Coface geht davon aus, dass die Auswirkungen auf die Haushaltssalden hoch und schwierig zu managen sein werden. In Algerien lag das Haushaltsdefizit bereits 2019 bei 9,3 Prozent, dieses Jahr wird ein Minus von 20 Prozent des BIP erwartet. Im Irak ist die Lage sogar noch schlimmer: Hier wird das Defizit dieses Jahr voraussichtlich 22 Prozent erreichen, während es 2019 gerade einmal bei 0,8 Prozent lag. Für Algerien, Oman und Bahrain kommt die Krise zu einem Zeitpunkt, an dem der Ölpreis-Schock von 2014 noch nicht überwunden war.

Doch nicht nur für MENA-Region ist der Ölpreisverfall hart. „Natürlich ist für die Region ein erheblicher Druck entstanden, aber die Preisentwicklung trifft die ganze Weltwirtschaft“, gibt GFL-Geschäftsführer Marcus Sarafin zu bedenken. „Dabei wird es sicher auch Gewinner geben, die von den niedrigeren Kosten profitieren, aber wir erwarten deutlich mehr Verlierer mit entsprechenden Auswirkungen wie negativen Bilanzen, Insolvenzen etc.“

Die Coface-Studie finden Sie hier.

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