Japan: Handelsstreitigkeiten führen zu gesunkenen Exporten und schwachem Wirtschaftswachstum

Die schwache Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern auf dem Binnenmarkt und sinkende Exporte führen fast zu einem Stillstand des japanischen Wirtschaftswachstums. Laut ersten Schätzungen von Statistikern ist die Wirtschaftsleistung von Japan mit einem Wachstum von lediglich 0,1% im letzten Quartal rückläufig. In den 3 Quartalen zuvor lag die Quote noch bei 0,4% pro Quartal.

Die japanischen Exporte nahmen im September im 10. Monat in Folge ab und lagen hiermit 5,2% unter dem Vorjahreswert. Ebenso war die Anzahl der Importe seit Ende letzten Jahres rückläufig und wies eine ähnliche Verringerung auf. Im August lag der Rückgang der Exporte verglichen mit dem Vorjahr allerdings noch bei 8,2%.

Im September hat Japan den 63. Monat am Stück einen Überschuss in der Leistungsbilanz von 1,61 Billionen Yen (13 Milliarden Euro) erzielt und liegt damit nur geringfügig unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre. Allerdings kaschiert diese Zahl den Rückgang des internationalen Handels.

Wodurch resultiert der Wirtschaftsabschwung?

Der Rückgang der japanischen Wirtschaftsleistung lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen:

Als relevantester Punkt gilt der derzeitige Handelsstreit zwischen den USA und China, die als die wichtigsten Handelspartner für Japan gelten. Zusätzlich befindet sich Japan mit den Vereinigten Staaten in Verhandlungen über ein Handelsabkommen, in dessen Fokus mögliche Zölle auf japanische Autos stehen, die ein wichtiges Exportgut darstellen. Auch die wirtschaftliche Beziehung zu Südkorea ist sehr angespannt: Aktuell gibt es Verhandlungen bezüglich der Handelsbedingungen, da sich beide Länder vor Kurzem gegenseitig von der sogenannten weißen Liste gestrichen haben und somit Import und Export der beiden Ländern beeinträchtigen.

Exportentwicklung von Japan im September 2019 (Vergleich zum Vorjahr)

USA: -6,7%

China: -7,9%

Südkorea: ca. -16%

Das Vertrauen der Verbraucher ist aufgrund der derzeitigen Entwicklungen sehr schwach. Allerdings geben im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Unternehmensinvestitionen in Höhe von 0,9% Grund für Hoffnung.

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung dürfte früher oder später zu Forderungen nach einem staatlichen Konjunkturprogramm zur Folge haben.

Die Bank von Japan vertritt derzeit den Standpunkt, dass die japanische Binnenkonjunktur noch stark genug sei, um negative Einflüssen zu bestehen. Dies ist bei genauerer Betrachtung der Wachstumsdaten allerdings fraglich: Obwohl die Konsumsteuer im Oktober von 8% auf 10% erhöht wurde, gab es in den Monaten zuvor keine markanten Veränderung im Konsumverhalten. Der gesamte Konsum wuchs um lediglich 0,4% im Vorjahresvergleich.

Marcus Sarafin, Geschäftsführer und Finanzexperte der GFL: „Schon vor Jahren hat Japan mit der Null-Zins-Politik die geldpolitischen Möglichkeiten nahezu bis zur Grenze ausgereizt. Seit diesem Zeitpunkt ist die japanische Wirtschaft nicht mehr richtig in Schwung gekommen. Da diese Politik auch in der Eurozone seit Jahren verfolgt wird, bleibt es sehr spannend, wie sich das Wachstum in der EU entwickeln wird. Es ist durchaus möglich, dass in Europa eine ähnliche Entwicklung wie in Japan möglich ist.“

Quellen:

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/handelsstreit-export-in-japan-schrumpft-immer-weiter-16479321.html Datum: 11.11.19

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/japans-wirtschaft-kommt-fast-zum-stillstand-16484786.html Datum: 14.11.19

https://www.wiwo.de/konjunktur-japans-exporte-fallen-zehnten-monat-in-folge-handelskriege-belasten/25137050.html Datum: 21.10.19

Schreibe einen Kommentar