Konjunkturaussichten: Die Gewinner und Verlierer

Entgegen vieler Prognosen ist die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr (minimal) gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt ist in der Zeit zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorjahr um 0,1% angestiegen.

„Die deutsche Wirtschaft ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, waren die Worte von DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Doch es gibt mehrere Faktoren, die die Stabilität der Wirtschaft bedrohen: Sowohl der Investitions- und Reformstau, als auch die schwache Entwicklung der Konjunktur sind dauerhaft problematisch. Hinzu kommt die Abschwächung des Automobilsektors – der wirtschaftlich wichtigsten Branche der deutschen Ökonomie.

Die aktuellen Handelskonflikte und die Brexit-Unsicherheiten haben besonders auf Exporteure negative Einflüsse. Zusätzlich könnte sich der in vielen Branchen geplante Stellenabbau stark auf den Konsum auswirken.

Ein Überblick über die Branchen

Energie: Das Jahr 2020 wird für den Energiesektor besonders relevant: Mit der Energiewende und dem damit einhergehenden klimapolitisch begründeten Kohleausstieg, als auch der gleichzeitig aktuell größten Krise der Windkraftbranche, wird der Energiesektor im kommenden Jahr zunehmend unter großen Druck geraten.

Aufgrund bürokratischer Barrieren und Klagen durch Windkraftgegner hat die Branche gerade mit enormen Problemen zu kämpfen. Hinzu kommen Pläne der Regierung, den Mindestabstand der Turbinentürme zu Wohnsiedlungen zu erhöhen. Im schlimmsten Falle müssen die Anlagen 1000m von Grundstücken entfernt sein, die zwar für Häuser genehmigt worden aber noch unbebaut sind.

Die größten Unternehmen der Branche sind von der Insolvenz bedroht und müssen tausende Angestellte entlassen. Dieser Trend wird sich wohl im nächsten Jahr fortsetzen, selbst wenn die Regierung ihren derzeitigen Kurs ändern sollte. 

Handel: Aktuell zeigen sich die Verbraucher von der schwachen Konjunktur unbeeindruckt. Die Beratungsgesellschaft EY geht davon aus, dass in diesem Jahr ähnlich viel  im Weihnachtsgeschäft ausgegeben wird, wie im Vorjahr. Allerdings stellt der Strukturwandel der Branche für viele Einzelhändler ein großes Problem dar: Der Marktanteil von Einzelhändlern wird immer geringer. Seit 2000 ging der Anteil laut dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels von 31,9% auf nur 16,2% zurück. Handelsketten, Discounter und Online-Händler haben hingegen zugelegt. Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschers IFH Köln: „Die Erwartungen der Verbraucher haben sich stark gewandelt. Kunden werden immer anspruchsvoller und bequemer.“

Maschinenbau: Auch die Maschinenbau-Branche mit mehr als einer Million Beschäftigten leidet unter der Flaute des Automobil-Sektors. Handelskonflikte und die Ungewissheit wegen des Brexits haben zusätzlich negative Einflüsse. Bereits im August waren die Zahlen miserabel – und brachen im September nochmals um 4% ein. Laut dem Chefs-Volkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers, gibt es keinen Grund für Entwarnung. Für dieses Jahr rechnet die Branche mit einem Produktionsrückgang von 2%. 

Immobilien: Zwar kann man aktuell in der Immobilienstatistik einen lediglich geringen Anstieg der Preise beobachten, allerdings gilt dies nur für Luxusimmobilien, deren Wert ohnehin von anderen Faktoren abhängig ist. Reguläre Immobilien stehen weiterhin aufgrund des starken Mangels in den Großstädten und Niedrigzinsen unter enormem Preisdruck. Auch Neubauten stellen kurzfristig keine Lösung des Problems dar, da sie durch lange Genehmigungsverfahren und Bau-Vorschriften noch viel teurer werden. Für die Branche an sich ist dies allerdings nicht schlecht.

Chemie/Pharma: Auch in der Chemie- und Pharmabranche läuft es derzeit schleppend. Laut dem Verband der Chemischen Industrie ist keine Trendwende in Sicht. VCI: „Der Abschwung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat sich im dritten Quartal 2019 fortgesetzt.“ Im Kernmarkt Europa und in Asien würde das Geschäft laut Angaben des Verbandes wohl besonders schlecht laufen. Aufgrund der schwachen Entwicklung des Automobilsektors und anderer Abnehmer ist der Umsatz der Chemie- und Pharmabranche in den ersten drei Quartalen des Jahres im Vergleich zu 2018 um ca. 8% zurückgegangen. Der Branchenriese Bayer hat außerdem mit zehntausenden Klagen gegen die Konzerntochter Monsanto zu kämpfen, die wegen des Herbizids Glyphosat im Fokus steht. Das Tagesgeschäft scheint allerdings relativ gut zu laufen.

Lebensmittel: Deutschlands viertgrößter Industriezweig steht weitestgehend gut da. Der Umsatz der Lebensmittelbranche ist innerhalb der ersten 8 Monate des Jahres um 1,7% gewachsen. Der Konjunkturabschwung scheint noch keine Auswirkungen auf den Sektor zu haben. Die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie berichtet sogar, dass die Verbraucher vermehrt auf „qualitativ höherwertige Produkte mit einem besonderen Mehrwert“ zurückgreifen.

Automobilbranche: siehe Artikel „Der Druck in der Automobilbranche wächst“

Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/konjunktur-welche-branchen-verlieren-und-welche-gewinnen-a-1296387.html Datum: 14.11.19

 

 

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