Guyana: Dank Öl in ein neues Zeitalter?

Die Koalitionsregierung des Präsidenten David Granger hat im Dezember vergangenen Jahres ein Misstrauensvotum verloren. Daher müssen laut Gesetz innerhalb von 90 Tagen Neuwahlen abgehalten werden. Ein Termin wurde bislang noch nicht festgelegt. Durch die Regierung wurde die Wahl daraufhin verschoben und bei 3 unterschiedlichen Gerichten angefochten. Das Urteil wurde im Juni 2019 bestätigt. Seitens der Guyana Elections Commission wurde angegeben, dass die Aktualisierung des nationalen Wählerregisters noch mehrere Monate andauern würde. Präsident David Granger hat nun verkündet, dass die Wahlen frühestens am 2. März 2020 stattfinden würden.

Die Wahrscheinlichkeit der Machtübernahme durch die progressive Bürgerpartei (PPP-C) steigt, durch die anstehenden Wahlen. Die PPP-C hat seit Dezember 2018 keine der Gesetze, Richtlinien oder Verträge der aktuellen Regierung anerkannt.

Aufgrund der aktuellen politischen Unsicherheiten wird die Stabilität des Landes derzeit stark gefährdet. Dies ist auch an dem Verhalten potentieller Investoren ersichtlich. Zudem wurde bereits durch Diplomaten aus den USA und Europa angekündigt, die Hilfsgelder zu streichen, wenn die Neuwahlen sich weiterhin verzögern sollten.

Die Wirtschaft des Landes basiert Großteils auf natürlichen Ressourcen wie Gold und Bauxit. Zudem wird viel Reis und Zucker angebaut. Durch die Entdeckung großer Offshore-Ölreserven wird sich das Land voraussichtlich bereits im nächsten Jahr zu einem bedeutenden Ölförderland entwickeln. Experten rechnen mit einer Explosion des BIP-Wachstums auf 86%. Dadurch würden sich die Einnahmen des Landes in der Leistungsbilanz mehr als verdreifachen. Allerdings bedeutet der Import von Ölförderungsanlagen zunächst einen hohen Investitionsbedarf.

Durch die politischen Unsicherheiten wurde das Enteignungsrisiko durch Credendo mit Kategorie 4/7 bewertet. Das kurzfristige politische Risiko wurde mit einem Rating von 6/7 kategorisiert. 

Durch die Inbetriebnahme der Ölförderanlagen könnte es zur sogenannten niederländischen Krankheit kommen (Probleme der niederländischen Wirtschaft nach der Entdeckung großer Gasreserven im Jahr 1959). Hierbei kommt es zu makroökonomischen Verzerrungen und Inflationsdruck. Auch kann es zusätzlich zu steigender Arbeitslosigkeit, höherer Korruption, einem geschwächten Bankensektor und weiteren ökonomischen Problemen führen.

Quelle: „Credendo Monthly Review“ Oktober 2019.

 

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