Finanzierung von Start-ups…auf ein Neues

Die US-amerikanischen Investoren verhalten sich in den aktuellen Zeiten der Nullzinspolitik stets investitionsfreudig. Durch riesige Pensionsfonds und Anleger werden teils Milliarden Dollar für Start-up-Unternehmen mobilisiert. Ebenso geschehen beim Beispiel Wework:

Die Idee des Start-ups war es, Geschäfts- bzw. Büroflächen kurzfristig zu vermieten.

Im ersten Halbjahr 2019 hatte Wework einen Verlust in Höhe von 904 Millionen Dollar, nachdem man bereits im Vorjahr ein Minus von 1,9 Milliarden Dollar einfuhr.

Durch mehrere Finanzierungsrunden wurde das Unternehmen dennoch mit 47 Milliarden Dollar zum wertvollsten privaten Unternehmen der USA bewertet. Der Wert wurde bei erfolgreichem Börsengang auf 65 Milliarden Dollar geschätzt – dieser war allerdings nicht erfolgreich und musste abgesagt werden. Der japanische Hauptinvestor Softbank versucht nun, Wework vor der Pleite zu bewahren. Der Vision Fonds von Softbank ist bereits unglaubliche 100 Milliarden Dollar schwer.

Die Attitüde der amerikanischen Investoren wird immer risikofreudiger:

Wurden durch die Finanzierungsrunden vor einigen Jahren noch durchschnittlich 2 Millionen Dollar generiert, sind es heutzutage 10 Millionen Dollar. Die Investoren verlangen Wachstum um jeden Preis und erwarten zudem hohe Renditen: Dieses Verhalten erinnert stark an die sogenannte Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende. Im letzten Jahr haben US-Start-ups Investitionen in Höhe von 130,9 Milliarden Dollar eingenommen. Trotz der Warnungen des Finanzmarktes und der Finanzexperten will man weitere 9,5 Milliarden Dollar investieren.

In Europa ist der Markt mittlerweile im Wandel. Im Gegensatz zu den USA gibt es hier keine riesigen Pensionsfonds, die Investitionen in Milliardenhöhe tätigen. Zudem ist laut Kurt Müller vom deutschen Risikokapitalgeber Target Partners bereits ersichtlich, „dass die Aktienmärkte mehr Substanz verlangen“. Die Start-ups müssen nachweisen, dass sie ein Geschäftsmodell haben, das längerfristig erfolgreich auf dem Markt sein kann. Paul Wolter, Teamleiter für Politik und Kommunikation: „Hier ist um den Faktor zehn weniger Geld vorhanden“. Die deutschen Anleger würden daher vorsichtiger agieren und genauer die Erfolgschancen eines Unternehmens überprüfen, bevor sie größere Summen investieren. Mittlerweile hat sich der Trend, zumindest in Deutschland, dahingehend verändert, als dass Investoren nicht mehr starken Wachstum der Unternehmen erwarten und jahrelange Verluste finanzieren möchten, sondern mehr auf Stabilität und die Marktchancen der Start-ups geachtet wird – die Investitionen sollen Erträge liefern und nicht mehr als reines Risikokapital angelegt werden. 

Marcus Sarafin, Geschäftsführer der GFL: „Start-ups müssen künftig versuchen, schneller zur Marktreife zu gelangen, als es in der Vergangenheit der Fall war. Zudem ist es wichtig, dass die Unternehmenspolitik nicht mehr auf stark expansiven Wachstum ausgelegt ist, da dies bereits in der Vergangenheit immer zu erheblichen Anlaufverlusten geführt hat. Wenn ein Unternehmen Gewinne erzielt, erhält es die Möglichkeit, auf weitere alternative Finanzmittel zurückzugreifen. Durch dieses Vorgehen wächst ein Unternehmen zwar langsamer, erzielt allerdings Erträge, wodurch eine gewisse finanzielle Stabilität erreicht werden kann, die für die dauerhafte Überlebensfähigkeit enorm wichtig ist.“

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