Afrika: politische Unruhen verhindern Wirtschaftswachstum

Tunesien

Eine zunehmende politische Frustration, sozioökonomische Faktoren, sowie der sehr wichtige schwache Tourismussektor, der stark von den Terroranschlägen 2015 betroffen war, resultieren in einem verhaltenen Wirtschaftswachstum. Dies hat mit 15% im Jahr 2018 eine hohe Arbeitslosigkeit (34% bei Menschen unter 25 Jahren)  zur Folge. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Bezug auf Reformen der Regierung und Korruption wächst. Durch hohe öffentliche Defizite ist die Bruttoschuldenquote von 44% des BIP im Jahr 2011 auf 77% des BIP 2018 gewachsen. Es wird mit einem weiteren Anstieg  auf 85% des BIP bis 2020 gerechnet. Der Anstieg der Auslandsverschuldung ist bedingt durch das hohe Haushaltsdefizit, das hohe Leistungsbilanzdefizit, geringe ausländische Direktinvestitionen und durch die Abwertung der Währung. Hierdurch ist die Auslandsverschuldung von ca. 50% des BIP im Jahr 2011 auf knapp 100% des BIP im Jahr 2018 angestiegen. Nach dem Amtsantritt der neuen Regierung muss das Reformpaket oberste Priorität haben, um die Umstände des Landes zu verbessern.

Sambia

Durch den starken Rückgang der Kupferpreise im Jahr 2015 und den darauf folgenden unerwarteten Machtwechsel änderte das Land seinen Kurs, was nach und nach zu einer erheblichen Verschlechterung der Wirtschaft führte. Dementsprechend wurde die politische Risikoklassifizierung von Credendo von Kategorie 3/7 (kurzfristige politische Risiken) und 5/7 (mittel- bis langfristige politische Risiken) auf jeweils Kategorie 6/7 im Jahr 2019 angehoben.

Obwohl die öffentlichen Investitionen seit 2014 stark zugenommen haben, lag das BIP-Wachstum mit nur 3% innerhalb der letzten 5 Jahre deutlich unter dem Durchschnitt von 6%, der zwischen 2003 und 2013 erzielt wurde. Für die nächsten Jahre wird ein weiterer Rückgang auf unter 2% erwartet.

Die schwache Wirtschaft, die Abwertung der Landeswährung Kwacha (seit 2014 gegenüber Dollar 100% Abwertung) und die steigende Inflation (Ende 2019 voraussichtlich 12%) führten zu einer Anhebung des Kreditzinses auf 10,25%.

Die Staatsanleihen Sambias wurden zu den schlechtesten weltweit. Sehr viele Anleger verließen daraufhin den Markt. Der wirtschaftlich sehr wichtige Kupfersektor wurde durch die Regierung mit erheblichen Steuererhöhungen belastet, was sich negativ auf die Ausfuhrerlöse ausgewirkt hat.

Die anhaltende wirtschaftliche Misere und die zunehmende Staatsverschuldung werden mit der Zeit wahrscheinlich zur Zahlungsunfähigkeit des Landes führen. Credendo-Prognose: negativer Trend.

Simbabwe

Das Land befindet sich derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seit der Finanzkrise 2008/09. Seit dem Militärputsch im Jahr 2017, bei dem der damalige Diktator Robert Mugabe gestürzt wurde, hat sich die Lage noch weiter verschlechtert. Es folgten Stromausfälle, Brennstoffknappheit und große Schwierigkeiten mit der Währung.

Über die Hälfte des Landes ist von Ernährungsunsicherheiten betroffen. Der simbabwische Dollar, der erst in diesem Jahr wiedereingeführt wurde, hat gegenüber dem Dollar bereits mehr als 60% an Wert eingebüßt. Die Inflation erreichte im August 2019 im Jahresvergleich einen Wert von unglaublichen 300%. Schlechte Ernten, massive Korruption, als auch gravierende Mängel bei der Regierungsführung haben diesen maroden Zustand des Landes hervorgerufen

Quelle: „Credendo Monthly Review“ Oktober 2019.

 

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