Skandinavien: Forderungsrisiko steigt

Exporteure nach Skandinavien sollten sich auf höhere Zahlungsrisiken einstellen. Der Kreditversicherer Atradius weist darauf hin, dass sich in Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland die Gefahr von Liquiditätsengpässen erhöht hat. Das betrifft vor allem Abnehmer aus Handel und Bau.

Die wirtschaftliche Entwicklung weist auf diese Risiken eigentlich nicht hin: Skandinavien hat im vergangenes Jahr ein solides BIP-Wachstum verzeichnet. Trotzdem sei das Insolvenzrisiko zuletzt erheblich gestiegen, heißt es in einem aktuellen Atradius-Report. So haben die Firmenpleiten im vergangenen Jahr in Finnland um 17 Prozent gegenüber 2017 zugenommen. In Schweden waren es 13 Prozent, in Norwegen 12 und Dänemark 7 Prozent. In diesem Jahr soll sich die Lage jedoch schon wieder bessern: Nur in Schweden rechnet Atradius mit einem weiteren Anstieg (+3 Prozent). In Dänemark und Norwegen dürften die Insolvenzzahlen stagnieren, in Finnland sogar um 2 Prozent zurückgehen.

Trotzdem sind die Zahlungsrisiken – vor allem in einzelnen Branchen – hoch. Vor allem in der Baubranche hat das Forderungsrisiko zugenommen. Der Wohnungsbaumarkt wirkt gesättigt, allein in Stockholm ist die Zahl der unverkauften Wohnungen auf mehr als 8000 gestiegen. 2016 waren es gerade einmal 1500. Im Raum Oslo sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten

In Schweden und Norwegen seien dadurch allgemein die Wohnungsbauaktivitäten zurückgegangen, was die Liquidität der Baufirmen verringert. So entfällt mehr als jede vierte Firmeninsolvenz in Norwegen auf eine Firma aus den Bausektor.

Doch auch der Handel ist betroffen: Lieferanten und Dienstleister der skandinavischen Handelsbranche verzeichnen in den vergangenen Monaten vermehrt Forderungsausfälle. Der Druck durch die großen Online-Händler und eine getrübte Konsumstimmung machen den kleinen und mittleren Handelsunternehmen zu schaffen. Die größten Unsicherheiten im skandinavischen Handel sieht Atradius derzeit bei stationären Modehändlern, Einzelhandelsgeschäften, Händlern von Möbeln und weiteren Haushaltsgegenständen.

Weitere Branchen mit erhöhtem Zahlungsrisiko sind die Fischbranche in Norwegen, die mit dem Lachssterben zu kämpfen hat, und die finnische Forstwirtschaft, die besonders unter dem Abkühlen der Weltwirtschaft und der nachlassenden Nachfrage aus dem Ausland leidet.

Diese und weitere Analysen finden Sie auf www.atradius.de.

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