Kolumbien: Länderrisiko gestiegen

Proteste gegen den neuen Präsidenten, die Fragilität des Friedensabkommens mit der FARC, ein enger werdender haushaltspolitischer Handlungsspielraum und eine steigende Auslandsverschuldung: Die erhöhte Anfälligkeit Kolumbiens hat die Credendo Group dazu veranlasst, das mittel- bis langfristige politische Risiko des Landes in Kategorie 5/7 herabzustufen.

Präsident Duque ist erst seit sechs Monaten im Amt. Trotzdem gibt es für ihn keine Schonfrist: Sein Mandat wird von wiederholten Demonstrationen, der missglückten Umsetzung einer kühnen Steuerreform sowie schwindender Popularität charakterisiert. Zudem bleibt das 2016 geschlossene Friedensabkommen mit der FARC fragil. Die ehemalige Guerillabewegung wirft Duque vor, die Vereinbarungen des Abkommens – vor allem die Wiedereingliederung ehemaliger Rebellen – nicht einzuhalten.

Wirtschaftlich werden die Aussichten des Ölexporteurs Kolumbien weiterhin vom Ölpreis bestimmt. Dessen Rückgang führte zwischen 2015 und 2018 zu einem Anstieg des Handelsdefizits von mehr als drei Prozent des BIP. Größere Haushaltsdefizite haben zudem zu einem Anstieg der Staatsverschuldung geführt: von 37,8 Prozent des BIP im Jahr 2013 auf 50,6 Prozent in 2015. Gleichzeitig hat die Regierung in den vergangenen Jahren zunehmend im Ausland Kredite aufgenommen. Daher ist der ausländische Anteil der Staatsverschuldung von 40 Prozent im Jahr 2013 auf 60 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Das hat zu einer stetigen Verschlechterung der Finanzlage Kolumbiens geführt und die Refinanzierungsrisiken erhöht.

Auch die Auslandsverschuldung ist stark gestiegen: Sie hat sich von 25,7 Prozent des BIP im Jahr 2013 (bzw. 130 % der gesamten Leistungsbilanzeinnahmen) auf 49,6 Prozent im Jahr 2016 (fast 270 % der Leistungsbilanzeinnahmen) fast verdoppelt. Danach ist nur leicht zurückgegangen. Um diese Schulden zu bedienen, musste Kolumbien Ende 2018 fast ein Viertel der Leistungsbilanzeinnahmen aufwenden.

Die Schwierigkeiten der Regierung bei der Erreichung der Haushaltsziele, die ungünstigeren externen Wirtschaftsverhältnisse sowie das schwierige Handels- und Finanzumfeld haben Credendo daher dazu bewogen, das Land von Kategorie 4/7 auf 5/7 herabzustufen.

Die vollständige Analyse finden Sie hier.

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