CEMAC: Ungenügende Liquidität

Die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft CEMAC kämpft mit Liquiditätsdruck. Fallende Ölpreise und eine verschlechterte Sicherheitslage haben die Reserven aufgebraucht. Laut einer Analyse des Kreditversicherers Credendo bleiben die Aussichten unbeständig.

Mitglieder der CEMAC sind Kamerun, die Zentralafrikanische Republik (CAF), Tschad, Äquatorialguinea, Gabun sowie die Republik Kongo. Sie alle sind Teil der CFA-Franc-Währungsunion, deren CFA-Franc mit einem  festen Wechselkurs an den Euro gebunden ist. Aufgrund des Währungsabkommens sind durch Transferprobleme oder Devisenmangel verursachte Zahlungsausfallrisiken in einem laufenden Handelsgeschäft begrenzt. Darüber hinaus wird die Inflation dank einer glaubwürdigen Geldpolitik seit Jahren unter Kontrolle gehalten.

Der Absturz der Ölpreise und eine Verschlechterung der Sicherheitslage hat jedoch die makroökonomische Stabilität gefährdet. Die Mitgliedsstaaten – zum Großteil stark abhängig von Ölexporten – mussten zur Finanzierung der Zahlungsbilanz auf Einlagen bei der BEAC zurückgreifen. Deren Währungsreserven gingen in der Folge seit Ende 2013 nominal um 73 Prozent zurück. 2017 deckten sie gerade noch 2,4 Monatsimporte ab – ein unzureichender Puffer für die Verteidigung einer Wechselkursbindung.

Um die Währungsbindung beizubehalten, haben sich die Mitgliedsstaaten einem IWF-Stabilisierungsprogrammunterworfen – mit Ausnahme von Äquatorialguinea, wo ein Vorbereitungsprogramm  läuft, und Kongo, das noch in Verhandlungen ist.

Obwohl die Liquidität nach wie vor weit unter dem vorgegebenen Schwellenwert liegt, rechnet Credendo dennoch nicht mit einer Abwertung. Dank der Konsolidierungsanstrengungen im Rahmen der IWF-Programme, einer Belebung der internationalen Ölpreise sowie des sukzessiven Abbaus der Vorschusszahlungen durch die BEAC hätten sich die Reserven seit Mitte 2017 leicht stabilisiert.

Für 2018 rechnet der Kreditversicherer mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent, für das kommende Jahr mit bis zu 2,9 Prozent, sofern das Wachstum im Nichtölsektor verstärkt wird. Die Experten rechnen mit einem allmählichen Rückgang der Ölförderung in der CEMAC-Region sowie einem weiteren Rückgang der internationalen Ölpreise. Das könnte zu einer Bedrohung für die gesamte makroökonomische Stabilität der Region werden, da die Liquiditätspuffer aufgebraucht sind.

Da Afrika und die CEMAC-Region aus GFL-Sicht langsam aber sicher immer mehr an Bedeutung für deutsche Exporteure gewinnt, gewinnen Entwicklung, Strukturen und Finanzierungsmöglichkeiten an Brisanz für europäische Unternehmen – schließlich könnte sich eine Bedrohung der Stabilität indirekt auch auf sie auswirken.

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