Zahlungsrisiken in der Türkei steigen

In vielen türkischen Kernbranchen hat sich das Zahlungsverhalten in den vergangenen Monaten verschlechtert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Kreditversicherung Atradius. Trotz verlängerter Zahlungsziele sei es zu mehr Verzögerungen gekommen. Für dieses Jahr rechnet der Versicherer mit mehr Insolvenzen in den Branchen Bau, Einzelhandel, Metall und Textil.

Der Grund: Die Türkei ist stark von Importen abhängig. Viele türkische Unternehmen haben daher hohe Schulden in Fremdwährungen. Durch den rapiden Wertverlust der Lira wird das zunehmend zum Problem. Kommt der Abnehmer in Finanznöte, kann das zu Zahlungsausfällen bei Lieferanten und Dienstleistern führen.

Zudem führt die Abwertung der heimischen Währung dazu, dass sich die Einkaufskosten für türkische Unternehmen erhöhen. So wird es zunehmend schwieriger, den steigenden Beschaffungssaufwand (in Euro oder US-Dollar) mit Einnahmen in Lira auszugleichen. Unternehmen aus dem Energiesektor und der herstellenden Industrie – unter anderem Chemie, Maschinenbau und Komponentenanbieter – seien diesem Risiko besonders ausgesetzt, so Atradius.

Das Risiko von Forderungsrisiken ist in einzelnen Branchen besonders hoch. Der Bausektor leidet unter dem geringen Wohnungsbau, dem hohen Wettbewerb, höheren Zinsen und steigenden Rohstoffpreisen. Der internationale Anbieter von Kreditversicherungen rechnet damit, dass die Insolvenzen – wie schon im letzten Jahr – steigen werden.

Im Einzelhandel ist die Profitabilität gering, der Druck durch den hohen Fremdfinanzierungsgrad steigt. So weist der Groß- und Einzelhandel die höchste Rate an Kreditausfällen auf. Am höchsten sei das Risiko bei Unternehmen, die hauptsächlich importierte Elektronikprodukte verkaufen.

Die Metallindustrie leidet ebenfalls unter der verhaltenen Bautätigkeit, sowie unter erheblichen Überkapazitäten. Unternehmensinsolvenzen und Zahlungsverzögerungen haben in den vergangenen beiden Jahren zugenommen, hauptsächlich aufgrund der schlechteren Margen und der hohen Unternehmensverschuldung.

In der Textilbranche sind mehr als sechs Prozent der Bankkredite notleidend. Probleme sind hier Überkapazitäten, sinkende Nachfrage, geringe Kapitalausstattung oder die Konkurrenz aus Asien.

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