Umsatzsteuerkarusselle in der IKT-Branche

Die Zahlungsausfälle von Lieferanten und Dienstleistern der Informations- und Kommunikationstechnikbranche (IKT) häufen sich. Schuld sind sogenannte Umsatzsteuerkarusselle. Wie der Kreditversicherer Atradius meldet, ermitteln die Steuerbehörden in letzter Zeit vermehrt gegen Groß- und Einzelhändler von Unterhaltungselektronik. Werden unwissend beteiligte Dienstleister in diese Betrugsmasche hinein gezogen, kann das schnell deren Existenz gefährden. So haben sich bei Atradius von 2015 auf 2016 die Schadenszahlungen durch IKT-Unternehmen in Mittel- und Osteuropa um mehr als das Vierfache erhöht.

Eigentlich gilt die Zahlungsmoral der IKT-Lieferanten traditionell als eher stabil. Doch oft ist es für sie kaum zu erkennen, dass sie in einem Umsatzsteuerkarussell involviert sind. Die Steuerfahndung geht strikt gegen alle Beteiligte vor. Und das kann dramatische Auswirkungen haben: Selbst wenn sich letztendlich die Unschuld eines Unternehmens herausstellt, können Pfändungen, eingefrorene Konten oder Untersuchungshaft von Mitarbeitern seine finanzielle Basis zerstören.

Betroffen seien vor allem Unternehmen in Osteuropa, so Atradius. Die zuletzt größten Fälle habe es in Polen und Tschechien gegeben. Doch auch in Deutschland waren Unternehmen betroffen.

Die IKT-Branche ist besonders anfällig für diese Betrugsmasche. Der logistische Aufwand zum An- und Verkauf von Handys, Tablets oder Bildschirmen ist recht gering. Aufgrund der kurzen Innovationszyklen werden die Modelle zudem schnell weiterverkauft.

Atradius erklärt: Was ist ein Umsatzsteuerkarussell?

Der Betrug mittels Umsatzsatzsteuerkarussell baut auf einer Ausnahme im EU-Recht auf: Demnach muss bei innergemeinschaftlichen, grenzüberschreitenden Lieferungen zwischen Unternehmen nicht wie sonst üblich der Verkäufer die Umsatzsteuer abführen, sondern erst der Erwerber beim Weiterverkauf der Ware innerhalb des eigenen Landes.

Betrüger können diese Regelung für Steuerdelikte ausnutzen. Sie beziehen – häufig über Briefkastenfirmen – Waren aus dem EU-Ausland zum Nettopreis (= ohne Umsatzsteuer). Diese Waren verkaufen sie im Inland weiter. Bei diesen Weiterverkäufen geben sie ihren ursprünglichen Nettoeinkaufspreis (= ohne Umsatzsteuer) als Bruttoeinkaufspreis (inkl. Umsatzsteuer) aus. Auf den neuen, gefälschten Nettoeinkaufspreis geben sie einen geringen Preisaufschlag und veräußern die Waren zuzüglich Umsatzsteuer.

Später lassen sie sich dann vom Finanzamt die Umsatzsteuer erstatten, die sie beim Kauf gerade nicht bezahlen mussten. So erzielen sie insgesamt einen Gewinn. Zur Vertuschung dient neben Scheinrechnungen oft auch ein komplexes Firmengeflecht, in dem die Waren schnell und mehrfach den Eigentümer wechseln – stets mit Ausweisung der Umsatzsteuer, so dass es nach außen den Anschein eines normalen Handelsgeschäftes hat. Der aus Betrügersicht ideale Fall tritt ein, wenn die Waren irgendwann wieder im EU-Ausland landen und der Kreislauf erneut beginnen kann.

Den kompletten Artikel finden Sie im MarktMonitor.

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