Fintechs, Margendruck & neue Konzepte – der Factoring-Markt im Wandel

Sie sind die jungen Wilden, die die Branche aufmischen: Immer mehr Fintechs strömen auf den Factoring-Markt. Sie scheinen gut in die Zeit zu passen, sind unbürokratisch, unkompliziert und schnell. Fintechs wollen nicht als Konkurrenz gesehen werden, sondern als ergänzende Partner. Und dennoch treiben sie die Branche vor sich her ­– zum Vorteil der Kunden. Denn die profitieren von neuen Finanzkonzepten und Angeboten, mit denen die etablierten Factoring-Anbieter auf die Veränderungen am Markt reagieren.

Der Factoringbranche geht es auf den ersten Blick gut: Jahr für Jahr melden die Anbieter neue Umsatzrekorde. Laut Zahlen des Deutschen Factoring-Verbands ist der Umsatz seiner Mitglieder allein im vergangenen Jahr um 3,77 Prozent auf 216,8 Milliarden Euro gestiegen.

Doch die Niedrigzinsen machen sich bemerkbar: Im Gegensatz zu 2015 ist der Zuwachs deutlich abgeflaut. Für 2017 rechnen Experten mit einem nochmals verlangsamten Wachstum. Der Grund: Die Kreditvergabe der Banken ist – zumindest für Unternehmen mit guter Bonität – expansiv geworden. Gleichzeitig leiden die Factoring-Anbieter, ebenso wie die Banken, unter dem Margendruck aufgrund der aktuellen Zinssituation.

Zudem entsteht im Internet ein neuer Markt, der den etablierten Anbietern gefährlich werden könnte: Laut einer Anfang Juni vorgestellten Studie haben in Deutschland 103 von insgesamt 544 Fintechs das Firmenkundengeschäft im Blick. „Gut 100 Fintechs haben mit ihrem Geschäftsmodell das Potential, das Firmenkundengeschäft der Banken zu beeinflussen. Vor allem in der Finanzierung und im Zahlungsverkehr setzen sie an. Die meisten fordern die Banken in ihrem Kerngeschäft heraus, nur wenige sind Partner oder Helfer der Banken“, so das Fazit der Studie, die Deloitte, CMS, ING-Diba und Finance-Research in Auftrag gegeben haben.

Dabei betrifft die neue Konkurrenz nicht nur die Banken: Ob Anlagevermögen, Investments oder Working Capital – Fintechs setzen in allen Teilen der Bilanz an. Ihr Vorteil sind vor allem ihre Schnelligkeit und ihre Flexibilität. Wo klassische Factoring-Anbieter meist Wochen brauchen, fällen die Start-Ups Finanzierungsentscheidungen innerhalb von 24 Stunden. „Wir versuchen auf der Prozessebene effizienter zu arbeiten“, sagt Andreas Fricker vom Führungsteam des Fintechs „Innolend“. „Natürlich haben wir auch eine intensive Risikoprüfung, die vollzieht sich bei uns aber schneller, da wir einen hohen Automatisierungsgrad haben.“ Formulare, die auf dem Postweg hin und her geschickt werden müssen – das gibt es bei Fintechs nicht mehr.

Doch die etablierten Anbieter schauen dabei nicht tatenlos zu. „In letzter Zeit entstehen immer mehr Konstruktionen und Angebote, um die Forderungsfinanzierung noch attraktiver zu machen“, sagt Marcus Sarafin, Geschäftsführer der GFL – Gesellschaft für Liquidität. Als Spezialmakler für alternative Finanzierungen weiß er, wie Unternehmer davon direkt profitieren können.

So finanzieren manche Factoring-Unternehmen mittlerweile besonders lange Zahlungsziele. Während 90 Tage Standard sind, sind auch 120 Tage in der Regel noch möglich. Doch mittlerweile werden sogar Zahlungsziele von bis zu 270 Tagen finanziert.

Zudem bieten immer mehr Finanzierer Einzelfactoring an: Der Unternehmer kann dabei selbst entscheiden, welche einzelnen Rechnungen er dem Factor verkauft. Auch, wenn das für das Factoring-Unternehmen viel Arbeit bedeutet, ist es doch ein Weg, um neue Kunden an das Finanzierungsinstrument heranzuführen.

Vereinzelt werden auch Factoringfinanzierungen mit Einkaufsfinanzierungen kombiniert. Damit hat der Kunde eine Art Projektfinanzierung aus einer Hand. Gegebenenfalls können sogar nicht bestätigte Akkreditive vorfinanziert werden.

Auch was die Digitalisierung angeht, ziehen die Factoring-Gesellschaften nach: „Gemeinsam mit unseren internationalen Schwestergesellschaften haben wir ein Innovationsteam gebildet, das sich ausschließlich mit der Weiterentwicklung von Kooperationen und modernen Technologien für unser Factoring-Angebot befasst”, berichtet Stefan Wagner, Managing Director bei ABN Amro Commercial Finance.

Er sieht das Aufkommen der digitalen Start-Ups durchaus auch positiv: „Letztlich werden die Entwicklungen, die derzeit in vielen Fin-Techs stattfinden, die Digitalisierung von Produkten und Prozessen rund um die Unternehmensfinanzierung beschleunigen und neue alternative Möglichkeiten eröffnen, so wie wir dies in den letzten Jahren bereits im B2C-Bereich gesehen haben. Diese Entwicklung wird aber nicht nur von den Fintechs, sondern auch von den bereits etablierten Anbietern getragen.“

Sicher ist: Der Factoring-Markt wird sich auch in naher Zukunft noch deutlich wandeln. Auf Seiten der Fintechs wird es dabei wohl die größten Umbrüche geben. „Es gibt zu viele Firmenkunden-Fintechs mit zu ähnlichen Geschäftsmodellen“, resümiert die Deloitte-Studie. „Am Schluss werden jeweils ein oder zwei Anbieter übrigbleiben, die nicht einmal notwendigerweise ihren Hauptsitz in Deutschland haben müssen.“

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