Delcredere Länderstudie: Kroatien

Der Kreditversicherer Delcredere hat vor kurzem eine Länderstudie zu Kroatien veröffentlicht, in der er die politische und wirtschaftliche Situation des Landes untersucht und zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt.

Die politische Situation Kroatiens hat sich seit 1995 vom autoritären Staat hin zu einer Demokratie entwickelt. Die Macht der Präsidenten wurde zugunsten des Parlaments eingeschränkt. Problematisch war die Korruption der Partiemitglieder, wie die aufgedeckte Korruption des Premierminsters Sanader zeigte. Seit 2009 ist Kroation auch Mitglied in der NATO. Seit 2005 führen das Land und die EU Beitrittsverhandlungen, die sich nun schon über Jahre hinziehen. Zu Beginn stand einem Betritt die verweigerte Koorporation  der Regierung mit dem Internationalen Strafgerichtshof bei der Suche und Auslieferung des kroatischen Generals Gotovina im Weg. Nachdem dieses Hindernis beseitigt wurde, nahmen umfassende Reformen im Justizwesen, der Wettbewerbspolitik, der Garantie der Grundrechte und der Anpassung der Sicherheitsstandards ihren Lauf. Zuletzt stellte sich der Grenzkonflikt mit Slowenien in der Bucht von Piran in Istrien als Problem dar, denn Slowenien beharrte auf einer Lösung dieses Konflikts, und behinderte so über Monate die Beitrittsverhandlungen von Kroatien und der EU. Seit 2010 herrscht zwischen den Ländern Einigkeit in diesem Problem, durch ein internationales, rechtsverbindliches Übereinkommen zu klären, dessen Abschluss allerdings noch aussteht. Ende 2011 unterzeichnete Kroatien das EU-Beitrittsabkommen, das nun noch durch die 27 Mitgliedstaaten ratifiziert werden muss. Die Neuwahlen im Dezember 2011, dessen Sieger Zoran Milanovic war, führten zu einer politischen Stabilisierung des Landes. Daher stuft Delcredere das kurzfristige politische Risiko als gering ein.

Anders stellt sich die Situation der Wirtschaft dar. Im vergangenen Jahrzehnt wurde ein konstantes Wirtschaftswachstum erreicht, das zum Großteil auf einer externen Finanzierung des Bankensektors, vor allem durch Italien und Österreich, beruhte. Der Bankensektor konnte sich an internationalen Märkten refinanzieren. Allerdings wurde immer ein Leistungsbilanzdefizit erwirtschaftet, was vor allem auf hohen Importen und geringen Exporten beruhte. Diese Situation änderte sich schlagartig mit der Eurokrise. Seitdem wächst die kroatische Wirtschaft kaum noch, es sind hohe Leistungsbilanzdefizite zu verzeichnen und die Auslandsverschuldung stieg seit 2008 von 30% des BIP auf 54 % des BIP. Das Haushaltsdefizit beträgt 4% des BIP, und eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Weiterhin ist eine hohe Anfälligkeit der Wirtschaft für Wechsel- und Zinsrisiken zu erkennen. Dies alles führt zu einer Verschärfung der Kreditvergabe. Mithin hat die Rezession Kroatien voll erfasst. Das reale BIP sank 2009 um 7%, 2010 um -2,3% und für dieses Jahr wird ein Rückgang von 2,0% erwartet. Die seit 2010 anhaltende sinkende Inlandsnachfrage beruht auf dem rückgängigen privaten Verbrauch und Investitionen, was wiederum auf einem Rückgang der Kreditvergabe fusst. Weiterhin sind die Sparmaßnahmen der Regierung spürbar, was zu einem gehemmten Binnenwachstum führt, und das Land kämpft mit einer hohen Arbeitslosenquote. Obwohl die Exporte seit 2010 zunehmen, ist der Exportsektor zu klein, um der Wirtschaft positive Impulse zu verleihen. Delcredere erwartet, dass sich die Rezession auch 2013 fortsetzten wird. Positive Einflüsse für die Wirtschaft können nun unter anderem durch umfangreiche Investitionen von staatlichen Unternehmen erreicht werden.  Daher schätzt Delcredere das Geschäftsrisiko als hoch ein.

Die anhaltende Rezession in Kroatien zeigt die Strukturschwäche des Landes auf, in dem die verarbeitende Industrie nicht wettbewerbsfähig ist, und der starre Arbeitsmarkt und Hindernisse bei der Neugründung von Unternehmen zu einem Bedeutungsverlust des Landes im Weltexportmarkt seit 2008 führte.

Es bleibt nun zu hoffen, dass der Beitritt Kroatiens zur EU das Wachstum im Land wieder fördern wird, und die Investitionen wieder zunehmen werden.

 

Lesen Sie hier die gesamte Länderstudie: http://mm1.nl/768/Actions/Newsletter.aspx?messageid=404&customerid=15502&password=enc_3034374141374646_enc

Schreibe einen Kommentar