Schwache Konjunktur in Deutschland – doch eine Rezession ist unwahrscheinlich

Die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. Der Bundesverband der deutschen Industrieländer berichtet in seinem Konjunktur-Report, dass das bereinigte BIP im zweiten Quartal 2014 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken ist. Nach der „technischen Rezession“ zum Jahreswechsel 2012/2013 ist das der erste BIP-Rückgang in Deutschland.

Im Vergleich zum Vorjahr sieht das Wirtschaftswachstum jedoch schon positiver aus: Das BIP erhöhte sich preisbereinigt um 0,8 Prozent. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen erhöhte sich die Bruttowertschöpfung – mit Ausnahme des Produzierenden Gewerbes (ohne Baugewerbe) sowie den Finanz- und Versicherungsdienstleistern.

Das Abgleiten Deutschlands in eine Rezession sei eher unwahrscheinlich, so die Experten. Das starke Wachstum im ersten Quartal bilde eine robuste Basis für das laufende Jahr.

Stütze der Konjunktur waren die Konsumausgaben: Sowohl der Private Konsum als auch die Staatsausgaben sind um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Bremswirkungen gingen hingegen vom Außenbeitrag aus. Da die Zahl der Importe (+1,6 %) stärker gestiegen ist als die der Exporte (+0,9 %), ergibt sich ein negativer Wachstumsbeitrag von 0,2 Prozentpunkten.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiter robust. Nach ersten Berechnungen ist die Zahl der Erwerbstätigen im August 2014 auf 42,8 Millionen Personen gestiegen, was einer Steigerung um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht.

Das abflauende Wirtschaftswachstum in Deutschland fügt sich nahtlos in die Entwicklung der Weltwirtschaft ein, die sich nur langsam erholt. Zwar hat das Wachstum der Weltwirtschaft im zweiten Quartal wieder leicht zugelegt, die Entwicklung im Euroraum war jedoch eher mäßig.

Die wirtschaftlichen Perspektiven in Deutschland und der Eurozone haben sich aufgrund der Ukrainekrise eingetrübt. Laut Branchenreport des BDI erwarten die meisten Branchen jedoch noch steigende Umsätze in 2014.

Die Automobilindustrie zeigt sich zuversichtlich: In China wuchs die PKW-Nachfrage zweistellig und in den USA könnte bald wieder das Vorkrisenniveau erreicht werden. In Deutschland ist die Produktion in 2014 um vier Prozent gestiegen.

Die Bauindustrie wird trotz schwacher Entwicklung ein ein nominales Umsatzwachstum von 4,5 Prozent für dieses Jahr erwartet. In der Chemiebranche rechnet für das Gesamtjahr 2014 nur noch mit einem leichten Plus bei der Chemieproduktion in Höhe von 1,5 Prozent. In der Textil- und Bekleidungsindustrie sinken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäftsklima ist insbesondere bei Textil so schlecht wie seit Jahren nicht mehr, bei Bekleidung sinken die Erwartungen ebenfalls, wenn auch nicht im selben Maß.

Weiteres zur Branchenentwicklung und der deutschen Konjunktur finden Sie hier im BDI Konjunktur-Report.

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