Länderstudie Saudi-Arabien der Credendo Group

Als weltweit grösster Ölproduzent- und –exporteur sind die Öl- und Gasproduktion die wichtigsten Eckpfeiler der saudi-arabischen Wirtschaft. Die Ölvorkommen machen ca. 16% der weltweiten Reserven aus und somit hängt die Wirtschaftleistung des Landes stark vom internationalen Ölmarkt ab.

Der Kreditversicherer Credendo Group hat in seiner Länderstudie vom März 2014 das Länderrisiko bewertet und einen Ausblick veröffentlicht.

Demnach hat sich die saudi-arabische Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren, auch dank historisch hoher Ölpreise sehr gut entwickelt. Neben dem starken Ölsektor ist aber auch der Nicht-Öl-Sektor mit einem Wachstum von 6% gegenüber dem Vorjahr stark gestiegen. Ausschlaggebend hierfür waren die gute Entwicklung im produzierenden Gewerbe und der Bauindustrie.

Auch für die kommenden Jahre wird ein Wachstum von mehr als 4% p. a. erwartet. Daneben stützt sich das Länderrating der Credendo Group auf die geringe Auslandsverschuldung, die hohen aussenwirtschaftlichen Überschüsse sowie das hohe Auslandsvermögen. Lediglich die Unsicherheit über die Auswirkungen der neu eingeführten Arbeitsprogramme, die mehr einheimische Menschen Arbeit bringen soll, trübt das Länderrating.

Gemäss Credendo Group steht das Land vor grossen Herausforderungen. Sich stark verändernde Energiemärkte, aber auch eine Machtablösung durch die neue Generation, Unruhen im Mittleren Osten und Nordafrika sowie Anstrengungen, die junge saudi-arabische Bevölkerung in Lohn und Brot zu bekommen, gehören zu den Unsicherheiten des Landes.

Saudi-Arabien profitierte jahrelang von den hohen Ölpreisen, die u. a. auch aufgrund regionaler Unruhen zustande kamen. Kontinuierlich konnte das Land seine Produktion steigern, um Versorgungsunterbrechungen, wie etwa in Libyen, im Irak und Nigeria, möglichst gering zu halten. Das Land ist der einzig grosse Produzent innerhalb der OPEC, der über freie Produktionskapazitäten verfügt. Dieser Situation geschuldet, ist das Land in hohem Mass rohstoffabhängig. Die Öl- und Gasexporte trugen in 2012 mehr als 80% zu den Waren- und Dienstleistungsexporten teil. In 2013 stand der Rohstoffsektor stellvertretend für 47% des BIP.

Trotz einer gewissen Unsicherheit im Öl- und Gasgeschäft wird erwartet, dass die Machtübergabe an die neue Generation reibungslos verlaufen wird. Einen eindeutigen Nachfolger gibt es noch nicht. Eine Vielzahl von Kandidaten steht bereit, aber Credendo Group geht davon aus, dass hinter verschlossenen Türen mit einer kleinen Anzahl von Prinzen zielführend verhandelt wird.

Die Unruhen, die den Mittleren Osten und Afrika in den letzten 2 – 3 Jahren heimgesucht haben, gab es in geringem Umfang auch in Saudi-Arabien. Treiber der Unruhen war die schiitische Minderheitsbevölkerung, welche jahrzehntelang sozial ausgegrenzt wurden und welche von der sunnitischen Herrscherfamilie auch als potentielle Gefahr angesehen werden.

Die Unruhen waren nur regional und griffen nicht auf das ganze Land über. Dies auch, weil der Sicherheitsapparat des Landes rigoros durchgegriffen hat und weil sich die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit den Forderungen der schiitischen Minderheit identifizieren konnte.

Der saudi-arabische Arbeitsmarkt befindet sich in einer starken Schieflage. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 40%, trotz neu geschaffener Arbeitsplätze in den letzten 3 Jahren. Neue Arbeitsmarktprogramme, die private Unternehmen animieren sollen, mehr Saudis anzuwerben, sollen helfen, diese Situation in den Griff zu bekommen. Mindestbeschäftigungsquoten für Einheimische und verbesserte Sozialleistungen sind ein Teil dieser Arbeitsmarktprogramme. Es wird sich zeigen, ob Saudis bereit sind, die Jobs illegaler Ausländer zu verrichten (wie etwa in der Baubranche). Parallel könnte dies aber zu Problemen bei der Fertigstellung von Bauprojekten führen, da Einheimische selbstverständlich einen höheren Lohn verlangen würden. Langfristig gesehen wird die Stabilität des Landes davon abhängen, ob ausreichend junge Einheimische in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Neben seiner geopolitischen Lage (führender Ölproduzent, Heimat der heiligsten Stätten des Islam) ist Saudi-Arabien ein enger Partner der USA. Die Amerikaner setzen sich, aufgrund der hohen Bedeutung des Landes für den Energiemarkt, sehr für die Sicherheit Saudi-Arabiens ein. Die Unterstützung der Revolutionäre in Ägypten und Tunesien durch die USA aber haben die Beziehungen beider Länder stark belastet. Gleiches gilt für die US-Politik in Syrien sowie für die Entspannung innerhalb der Beziehung USA/Iran. Die Credendo Group geht nicht davon aus, dass sich die Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA in den nächsten Jahren grundsätzlich verändern wird. Aufgrund der Energieversorgung sowie der starken Bindung zwischen den USA und Israel wird Washington die gesamte Golf-Region, und damit auch Saudi-Arabien, weiterhin als strategisch wichtig ansehen und ihre schützende Hand darüber halten.

Lesen Sie hier die gesamte Einschätzung der Credendo Group aufgeteilt nach

-Risikofaktoren und Ausblick

Länderrisikoeinschätzung

Fakten und Kennzahlen, Pro und Kontra

 

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