Atradius: Länderbericht Türkei

Atradius hat in seinem Newsletter „Atradius Broker News Flash Ausgabe 1/2014“ seinen Länderbericht über die Türkei veröffentlicht. Der Kreditversicherer kommt dabei zu dem Ergebnis, dass das Land ein hohes Wachstum aufweist, jedoch auch mit einigen strukturellen Problemen zu kämpfen hat.

Atradius bewertet das Land in seiner STAR-Bewertung mit 5 („adequat“), also angemessen, Ausblick stabil.

Die Wahlen im Juni 2011 führten dazu, dass die AKP um Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die absolute Mehrheit erlangt hat (327 aus 550 Sitzen). Sie regiert nun zum dritten Mal in Folge. Allerdings blieb ihr die 2/3 Mehrheit verwehrt. Allerdings ist auffällig, dass sich der Widerstand in der Bevölkerung gegen Erdogans pro-islamistische Haltung ausbreitet. Dieser Widerstand führte zu den gewaltsamen Ausschreitungen in diesem Sommer.

Nachdem die Gespräche mit Vertretern der EU im Jahr 2006 unterbrochen wurden, rechnet Atradius nicht mit einem Beitritt der Türkei vor 2020. Dies liegt an den immer noch bestehenden Problemen, den Reformbedürfnissen sowie dem Widerstand einiger EU-Staaten gegen den Beitritt der Türkei. Auffällig ist, dass die anfangs breite Zustimmung in der Bevölkerung nun nachlässt. Die Türkei wendet ihren Fokus nun hin zum Mittleren Osten und Zentralasien, um dort in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht Fuß zu fassen.

Die Beziehung zu Israel hat sich seit dem Mai 2010 verschlechtert, als israelische Soldaten eine türkische Hilfsflotte einer Razzia unterzogen. Obwohl nun die eingeforderte offizielle Entschuldigung ausgesprochen wurde, bleibt die Beziehung trotzdem angespannt.

Die türkische Wirtschaft weist seit 2002 sehr gute Wachstumszahlen auf. Die Wachstumszahlen liegen über dem europäischen Durchschnitt. Gleichzeitig sank das reale Einkommen. Nachdem 2010 und 2011 zwei Jahre mit sehr guten Wachstumszahlen waren (+9,1% des BIP bzw. 8,8% des BIP) verschlechterten sich die Ergebnisse im Jahr 2012. Trotzdem attestiert Atradius ein stabiles und ausbalanciertes Wirtschaftswachstum. Die darauf folgende strenge Geldpolitik der Zentralbank führte dazu, das die Inlandsnachfrage nachließ. Gleichzeitig nahm auch die Nachfrage aus der EU ab, sodass nur 2,2% Wachstum erreicht werden konnte. Allerdings wird für das Jahr 2013 mit einem Wachstum von 3,4% gerechnet.

Der Kreditversicherer zeigt auf, dass die Türkei an strukturellen wirtschaftlichen Engpässen leidet. Das Land importiert Nutzenergie und Güter. Damit wird es sehr anfällig für hohe Preise auf dem Weltmarkt. Das wiederum begünstigt eine strukturell hohe Inflation. Sie stieg im Jahr 2012 auf 9%, allerdings sank sie im letzten Jahr auf 6,6% ab. Das Haushaltsdefizit in der Türkei nimmt seit 2009 zu (5,5% des BIP), da weniger Steuereinnahmen mit erhöhten Ausgaben für die Wirtschaft kombiniert wurden. Sparmaßnahmen führten dazu, dass das Haushaltsdefizit auf 1,4% des BIP im Jahr 2011 gesunken ist, wobei für die 2012, 2013 und 2014 ein Anstieg auf 2,7% erwartet wird.

Als strukturelle Probleme erweist sich die zu langsame Entwicklung vieler Branchen. Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die soziale Sicherheit und die Steueradministration bedürfen dringend einer Reform. Nur so kann die strukturelle Arbeitslosigkeit und die Schwarzarbeit bekämpft werden.

Weiterhin weist das Land eine hohe Abhängigkeit bei der Energieversorgung auf. Immerhin 95% des Öls werden importiert. Im Zeitraum von 2009 bis 2011 wurde in der Türkei mehr importiert als exportiert, da die heimische Nachfrage sehr hoch war. Das Leistungsbilanzdefizit stieg aufgrund von hohen Importpreisen auf 10% des BIP. Bis zum Jahr 2014 soll sich dieser Wert auf 7,3% reduziert haben, laut Atradius. Problematisch ist weiterhin, dass die Wirtschaft von externen Finanzquellen abhängig ist, wodurch sie sehr anfällig für äußere Einflüsse wird.

Der Ausblick für die Türkei ist, laut Atradius, positiv. Grundsätzlich ist mit keiner Änderung des politischen Kurses zu rechnen, außer in Bezug auf den Taksim Platz. Das Wirtschaftswachstum soll im Jahr 2014 4,7% betragen, wobei das Land hier von der Entwicklung der EU abhängig ist. Allerdings bleiben die strukturellen Probleme des Landes bestehen, wodurch Atradius mit einem Anstieg der Inflation auf 7% rechnet.

Lesen Sie hier den gesamten Länderbericht über die Türkei: http://www.atradius.de/debitorenmanagementpraxis/turkei/laenderbericht-tuerkei.html

 

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